1 Jahr inklusionswege.de – Zeit für einen Rück- und einen Ausblick

1-Jahr-Inklusionswege.jpgDas Thema Inklusion ist für mich eine Herzensangelegenheit. Dabei umfasst der Begriff für mich alle Dimensionen von Vielfalt und beschränkt sich nicht nur auf Menschen mit Behinderungen. Mein Blick auf das Thema ist sehr stark durch eine Antidiskriminierungsperspektive geprägt. Diskriminierung zu erkennen und gegen diese aktiv zu werden ist deshalb eine meiner persönlichen Dauerbaustellen. Denn auch ich bin in diverse diskriminierende Strukturen verwoben, bin Teil von ihnen und trage sie mit. Ich habe bestimmte Denkweisen gelernt und nun geht es mir darum, diskriminierendes Verhalten meinerseits zu erkennen, gegen dieses vorzugehen, mir meiner Vorurteile bewusst zu werden und mich diese aktiv zu stellen. In den letzten Jahren habe ich mich im Zuge dieser persönlichen Auseinandersetzungen immer wieder mit dem Anti-Bias-Ansatz beschäftigt. Das war sehr hilfreich, wenn auch nicht immer leicht. Und ich bin mir sicher, dass mich der Ansatz auch in Zukunft weiter begleiten wird.

Sehr interessiert verfolge ich die Diskussionen und Auseinandersetzungen rund um das Thema Inklusion. Ich höre mir Argumente dafür und dagegen an, Kritik und Einwände am Konzept und Begriff und versuche mir eine eigene Ansicht dazu zu erarbeiten. Und immer wieder schaue ich kritisch darauf, was unter dem Label Inklusion passiert und gefasst wird, was Inklusion ist, sein soll oder dafür gehalten wird, was Gründe für den derzeitigen Hype des Themas Inklusion sind und wer sich mit welcher Motivation für das Thema engagiert und einsetzt. Und auch wenn ich dem Anliegen von Inklusion, jedenfalls wie ich es verstehe, sehr positiv gegenüber stehe, habe ich immer wieder Zweifel und bin skeptisch gegenüber dem aktuellen Diskurs und den aktuellen Entwicklungen.

Das Thema Inklusion betrifft die gesamte Gesellschaft und lässt sich nicht nur auf einen gesellschaftlichen Bereich reduzieren. Ich selber bin Sozialpädagoge und seit vielen Jahren in der schulbezogenen Arbeit an einer Grundschule tätig. Ebenso habe ich viele Jahre in der Offenen Arbeit gearbeitet. Mein aktuelles Tätigkeits- und Interessenfeld ist also die Kinder- und Jugendhilfe. Und dadurch interessiert mich natürlich besonders die Verwirklichung oder Umsetzung von Inklusion in diesem gesellschaftlichen Bereich. Wie kann eine inklusive oder inklusivere Kinder- und Jugendhilfe aussehen? Was bedeutet Inklusion in der Kinder- und Jugendhilfe? Was kann die Kinder- und Jugendhilfe zur Diskussion rund um das Thema Inklusion beitragen? Welche Entwicklungen kann sie vorantreiben? Welche Erfahrungen wurde in der Kinder- und Jugendhilfe gemacht, auf die sich in anderen gesellschaftlichen Bereichen aufbauen lässt?

Ich setze mich im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit viel mit Fragen rund um das Thema Inklusion auseinander, ich interessiere mich privat für diesen Themenkomplex und für verschiedene Diskriminierungsformen, ich biete Fortbildungen für Fachkräfte der Früh- und Sozialpädagogik zum Thema Inklusion an und ich schreibe den Blog inklusionswege.de.

Vor gut einem Jahr veröffentlichte ich meinen ersten Beitrag auf inklusionswege.de. Seitdem folgten viele verschiedene Beiträge zu unterschiedlichen Themen – theoretische Überlegungen, Buchempfehlungen- und Buchzusammenfassungen, Veranstaltungsankündigungen und Veranstaltungsberichte, Linkempfehlungen, Diskussionsanregungen, Interviews, Audiobeiträge, Empfehlungen von Arbeitsmaterialien und Arbeitshilfen.

Mal folgten einzelne Beiträge in kürzeren Zeitabständen, mal lagen längeren Zeitspannen dazwischen. Mein Anliegen war und ist es, interessante Beiträge für die Auseinandersetzung mit Inklusion in der Kinder- und Jugendhilfe zu verfassen und so ein Stück weit zur Diskussion beizutragen und ich hatte und habe viel Freude daran, unterschiedliche Formate und Textformen auszuprobieren und für mich auch weiter zu entdecken und weiter zu entwickeln.

Natürlich bin ich darum bemüht, den Blog noch bekannter zu machen und den Kreis der Leser_innen ständig zu erweitern. Leider ist es mir bisher noch nicht gelungen Diskussionsbeiträge und Kommentare von Leser_innen zu bekommen, so dass auf dem Blog eine lebendige Diskussion über verschiedene Aspekte stattfindet. Ich bin mir nicht ganz sicher woran das liegt. Aber es liegt mir sehr viel an einem Blog, der nicht nur eindimensional in eine Richtung funktioniert (ich als Sender), sondern sich viele Leute mit Inhalten, Anregungen, Ideen, Hinweise und Kritik einbringen.

Auch für dieses Jahr bin ich schon zu einzelnen Elementen für den Blog in der Planung – z.B. weitere Interviews. Und sicherlich werde ich auch in diesem Jahr weiter an Formaten und Formen herum probieren, testen, verwerfen, experimentieren etc.

Ein weiteres wichtiges Thema, was mich sicherlich in diesem Jahr und darüber hinaus beschäftigen wird ist die Frage danach, wie Soziales Lernen inklusiv gestaltet werden kann. Soziales Lernen ist ein wesentlicher Baustein z.B. in der schulbezogenen Arbeit (natürlich auch in vielen anderen Bereichen) Soziales Lernen findet in unterschiedlichen Kotexten statt, mit unterschiedlichen Methoden und Ansätzen. Projekttage zum Sozialen Lernen mit ganzen Klassen spielen bei mir beruflich eine große Rolle. Und natürlich gibt es viele unterschiedliche Materialien und Anregungen, Methoden und Ansätze zu verschiedenen Themen des Sozialen Lernens. Aber immer wieder stoße ich da an Grenzen – weil bestimmte Methoden voraussetzen, dass die Kinder lesen und schreiben können, weil sie voraussetzten, dass die Kinder deutsch verstehen und sprechen können, weil sie bestimmte körperliche Fähigkeiten voraussetzen, etc. Daher bin ich sehr daran interessiert in den Austausch zu kommen, welche Möglichkeiten und Ansätze es für Inklusives Soziales Lernen gibt und ggf. Methoden und Ansätze dafür zu entwickeln. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, in welchem Format ich mich dazu austauschen möchte, ob es über den Blog ist oder über eine andere Plattform. Für Anregungen diesbezüglich und für Mitstreiter_innen und Mitdenker_innen zu diesem Thema bin ich sehr dankbar.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dem Blog einige Anregungen, Ideen auf ihrem Inklusionsweg geben und vor allem Freude bereiten konnte. Ich hoffe auch, dass Sie den Blog weiterhin verfolgen und ich würde mich freuen, wenn Sie den Blog weiterleiten, in Ihrem Umfeld bekannt machen und empfehlen würden.

Lassen Sie uns die Inklusionswege gemeinsam gehen!

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