Arbeitshilfe für Inklusion in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Inklusion ist auch ein wichtiges Thema für die Offene Kinder- und Jugendarbeit. im Jahr 2013 hat die Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Offene Kinder- und Jugendarbeit NRW eine Arbeitshilfe von Anke Oskamp mit dem Titel “Inklusion in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Anforderungen an die Praxis, Checkliste” herausgegeben. Hier geht es zu der Website mit Download-Bereich.

Die Arbeitshilfe gliedert sich in 4 Teile.

1. Inklusion – was ist das?

2. Anforderungen an inklusive Offene Kinder- und Jugendarbeit

3. Alles inklusiv? – Die Checkliste für inklusive Offene Kinder- und Jugendarbeit

4. Literaturverzeichnis

Im Folgenden gebe ich die Inhalte der Kapitel kurz wieder.

1. Inklusion – Was ist das?

Bei Inklusion geht es darum, “Gesellschaft so zu gestalten, dass in der Tat alle ihre Mitglieder gleichberechtigt an allen Prozessen teilhaben können” (S. 2). In der Arbeitshilfe wird von einem umfassenden Inklusionsverständnis ausgegangen, welches alle Dimensionen von Vielfalt in den Blick nimmt und sich nicht auf Menschen mit Behinderungen beschränkt. Inklusion möchte erreichen, “dass sich niemand anpassen, umgewöhnen oder in eine Gemeinschaft bzw. Gesellschaft einfügen muss, denn die Gesellschaft ist so geformt und strukturiert, dass alle Menschen sich gleichberechtigt und miteinander in ihre bewegen, kommunizieren und wirken können” (S. 3). Bei Integration geht es im Gegensatz dazu darum, dass Menschen, die aus der Gesellschaft herausgefallen oder ausgeschlossen wurden, wieder in diese einbezogen werden und dabei eine Anpassungsleistung erbringen müssen (vgl. ebd.)

Es folgt eine Erläuterung von Inklusion aus theologischer Sicht, anschließend wird auf die UN-Behindertenrechtskonvention als Grundlage für die rechtliche Umsetzung von Inklusion angeführt.

2. Anforderungen an inklusive Kinder- und Jugendarbeit

“Offene Kinder- und Jugendarbeit ist laut SGB VIII: Erziehung, Bildung und Betreuung für alle Kinder und alle Jugendlichen” (S. 4). Damit dies auch tatsächlich umgesetzt werden kann, bedarf es einer “umfassend solidarische[n] Grundhaltung gegenüber allen Menschen und das Ziel Gegenstände, Medien und Einrichtungen so zu gestalten, dass sie von jedem Menschen uneingeschränkt benutzt werden können” (ebd.).

Für die Kinder- und Jugendarbeit bedeutet das, wie auch für andere (pädagogische) Bereiche in Anlehnung an den Index für Inklusion die Schaffung inklusiver Kulturen (z.B. Werte- und Bewusstseinsbildung), Etablierung inklusiver Strukturen (z.B. Barrieren abbauen) und Entwicklung inklusiver Praktiken (z.B. Angebote überprüfen (vgl. S. 5).

“Zu beachten ist…

– Inklusion beinhaltet die Auseinandersetzung mit Grenzen, Barrieren und Problemen

[…]

– Inklusion bedeutet Selbstbestimmung

[…]

– Inklusion ist ein Prozess

[… ]

– Inklusion muss Stolpersteine überwinden” (S. 5f.)

3. Alles inklusiv? – Die Checkliste für inklusive Offene Kinder- und Jugendarbeit

In diesem Kapitel wird eine Checkliste vorgestellt. “Sie dient als Grundlage und Impuls für Teamsitzungen und Klausurtagungen der MitarbeiterInnen vor Ort und unternimmt den Versuch, möglichst umfassend und anschaulich darzustellen, welche Aspekte Offener Kinder- und Jugendarbeit in inklusiven Prozessen Bearbeitung finden können” (S. 6).

Die Checkliste ist in folgende Bereiche gegliedert, die mit Aussagen unterlegt sind, bei denen angekreuzt werden kann “trifft nicht zu”, “trifft eher nicht zu”, “trifft eher zu” und “trifft zu”:

Selbstverständnis der Einrichtung, Öffentlichkeitsarbeit, Barrierefreiheit, Vernetzung, Personalwesen, Offenheit, BesucherInnen/Bedarfsorientierung, Partizipation, Umgang mit Differenz/Konfliktkultur, Angebote, Eltern- und Familienorientierung

Nach der Checkliste folgt eine Zusammenfassung.

“Offene Kinder- und Jugendarbeit schafft Zugänge für alle Kinder und Jugendlichen. Sie ermöglicht die Genese selbstbestimmter und selbstmoderierter Lern- und Bildungswelten von Kindern und Jugendlichen für Kinder und Jugendliche und kann derart beitragen zu einer Gesellschaft der Vielfalt” (S. 11).

“Inklusion ist eben kein Produkt, kein standardisiertes Verfahren und kein Endergebnis. Es ist der Wunsch und der Wille eine vielfältige und tolerante Gesellschaft zu prägen, in der alle Kinder und Jugendlichen dieselbe Chance und dasselbe Recht auf Leben, auf Perspektive, auf Arbeit, auf ein Miteinander und auf die aktive und selbstbestimmte Gestaltung der Gesellschaft haben.” (Ebd.)

Mein Fazit

Die Arbeitshilfe ermöglicht einem, meiner Auffassung nach, einen guten Einstieg in das Thema “Inklusion in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit”. Mit der Checkliste hat man einen ersten Ansatzpunkt und kann ohne große Hürden in den Prozess einsteigen. Spannend ist die Auseinandersetzung auch deshalb, weil der Ansatz der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ist, für alle Kinder und Jugendlichen zu sein. Und deshalb wird in einigen Fällen angenommen, dass man ja schon längst inklusiv ist, da man doch für alle offen ist und jeder kommen kann, der möchte. Vergessen wird dabei dann aber, zu reflektieren, wer kommt und warum und wer nicht kommt und warum nicht und was es unter Umständen mit den eigenen Angeboten und der eigenen Struktur etc. zu tun haben könnte. Sind denn wirklich alle eingeladen zu kommen? Und wie wird das gewährleistet? Wen spricht man an und wen nicht? Wen denkt man mit und wen nicht? Für wen ist man offen und für wen nicht? Somit ist Inklusion auf jeden Fall auch ein Thema für die Offene Kinder- und Jugendarbeit. Und die Arbeitshilfe kann ein kleiner Baustein auf dem Weg dahin sein.

Veranstaltungshinweis: Inklusionscamp im September in Hamburg

Gerne möchte ich an dieser Stelle auf eine, wie ich finde, sehr interessante Veranstaltung hinweisen. Am 25. und 26. September findet in Hamburg ein Barcamp zum Thema Inklusion statt. Eingeladen sind alle an dem Thema interessierten Menschen.

Auf der Website www.inklusionscamp.de gibt es alle Informationen zu Veranstaltungsort, Programm, Anmeldung, was ist ein Barcamp und so weiter.

Ich versuche daran teilzunehmen und werden dann im Anschluss davon berichten.

Welches Verständnis von Inklusion ist das “Richtige” – ein erweitertes oder ein eingeschränktes Inklusionsverständnis?

Immer wieder kommt es zu Unklarheiten darüber, was mit Inklusion gemeint ist und welche Zielgruppen eigentlich nun mit diesem Konzept angesprochen werden. Vereinfacht dargestellt gibt es 2 Fraktionen: auf der einen Seite gibt es die, die Inklusion von der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ausgehend ausschließlich für Menschen mit Behinderung in Verbindung bringen und eine inklusive Gesellschaft mit der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderungen einfordern. Auf der anderen Seite gibt es die, die Inklusion weiter fassen und alle Menschen mit unterschiedlichen Merkmalen und Eigenschaften als Zielgruppe einer inklusiven Gesellschaft verstehen. Menschen mit Behinderungen sind nach diesem Verständnis nur eine Zielgruppe unter vielen.

Ich möchte einen Textauszug aus der Stellungnahme des Bundesjugendkuratoriums zum Thema Inklusion voranstellen:

“Ein generalisierendes Verständnis von Inklusion als einem allgemeinen gesellschaftlichen Prinzip birgt die Gefahr in einer Weise missverstanden zu werden, dass die unmittelbaren politischen und damit verbundenen rechtlichen Anforderungen, die von der UN-Behindertenrechtskonvention ausgehen, hintangestellt werden könnten. Im Anschluss an die UN-Behindertenrechtskonvention wurde der Inklusionsbegriff in vielen Debattenbeiträgen von seinem
Bezug zu Menschen mit Behinderungen gelöst und zu einem umfassenden Prinzip des gesellschaftlichen Umgangs mit Vielfalt erweitert. Die Inklusionsperspektive wurde und wird dadurch proklamiert für den Umgang mit Bevölkerungsgruppen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, mit Menschen unterschiedlicher sexueller Identität, mit Menschen unterschiedlicher politischer und/oder religiöser Anschauung etc. Verbunden damit ist eine
zunehmende Ausweitung im Verständnis und in der Verwendung des Begriffs »Inklusion«. Die Folgen einer solchen Ausweitung liegen darin, dass der Begriff seinen Charakter der konkreten politischen Handlungsaufforderung und Herausforderung allmählich zu verlieren droht: »Inklusion« wird zu einer
allgemeinen Leitformel für ein möglichst harmonisches, alle Menschen einbeziehendes gesellschaftliches Prinzip, gegen die sich niemand wenden kann, die aber letztlich unpolitisch wird, weil sie zu wenig mit konkreten politischen Gestaltungsperspektiven verkoppelt ist. Zugleich lenkt eine solche Verallgemeinerung des Inklusionsbegriffs von denjenigen Menschen ab, für deren Lebensperspektiven er zunächst entwickelt worden war: von den Menschen mit Behinderungen. Je allgemeiner der Begriff verwendet wird, desto weniger werden die konkreten Herausforderungen für den Umgang mit behinderten Menschen in den Blick genommen und desto eher besteht die Gefahr einer Relativierung der politischen und rechtlichen Handlungsforderungen, die aus der UN-Behindertenrechtskonvention folgen. Eine Politik der Inklusion darf sich nicht in der Proklamation allgemeiner Leitbilder eines harmonischen gesellschaftlichen Lebens erschöpfen, sondern muss für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen die jeweiligen
Lebensbedingungen analysieren und darauf ausgerichtete Inklusionsperspektiven entwerfen. Und das heißt zunächst im Hinblick auf den Ausgangspunkt der Inklusionsdebatte: Sie muss Veränderungsschritte konzipieren, zur politischen Diskussion stellen und schließlich umsetzen, durch die eine gleichberechtigte
Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ermöglicht und aufrechterhalten wird. Das Bundesjugendkuratorium nimmt mit dieser Stellungnahme
bewusst Bezug auf die UN-Behindertenrechtskonvention und beschränkt sich in seinen Ausführungen auf diesen Ursprung der Inklusionsdebatte: auf den gesellschaftlichen Umgang mit Menschen, die mit geistigen, körperlichen oder Sinnesbehinderungen leben. Auch werden solche Kinder und Jugendliche in
die Überlegungen einbezogen, die aufgrund eines im Schulsystem festgestellten besonderen Förderbedarfs bisher Förderschulen
mit dem Schwerpunkt »Lernen« oder mit dem Schwerpunkt »soziale und emotionale Entwicklung« zugewiesen und in einem solchen schulischen Sinn als »behindert« bezeichnet werden. Das Bundesjugendkuratorium ist sich bewusst, dass mit dem Inklusionsprinzip weitere Implikationen verbunden sind und dass die Prinzipien, die für Menschen mit Behinderungen umzusetzen sind, auch für andere gesellschaftliche Gruppen bedeutsam sind. Die bewusste Beschränkung auf die Menschen mit Behinderungen folgt der Erkenntnis, dass das Inklusionsprinzip für jede gesellschaftliche Gruppe konkretisiert werden muss und dass durch die UN-Behindertenrechtskonvention ein ausdrücklicher Schwerpunkt bei den Menschen mit Behinderungen gesetzt wurde.” (S. 7ff.)

Dieser Abschnitt aus der Stellungnahme veranschaulicht meiner Ansicht nach sehr deutlich die beiden oben genannten Positionen und die vielen unterschiedlichen Aspekte, die bei dem gewählten Verständnis eine Rolle spielen. Es werden einige Kritikpunkte am erweiterten Verständnis von Inklusion genannt, aber auch Argumente für dieses eingebracht und sich am Ende dennoch für ein eingeschränktes Verständnis von Inklusion entschieden.

Ich finde diese Argumentation nachvollziehbar, logisch und vor allem spannend.

Im Folgenden möchte ich einige Gedanken mit einbringen, die diese Diskussion möglicherweise noch etwas erweitern.

Führt ein erweitertes, alle Dimensionen von Vielfalt berücksichtigendes Verständnis von Inklusion zu Überforderung der Systeme und Personen, da sie viele Zielgruppen beachten und bedenken müssen? Ich glaube schon, dass es eine große Herausforderung ist, alle Dimensionen von Vielfalt zu betrachten und zu berücksichtigen. Aber wenn wir bspw. jedes Kind als Individuum betrachten und für jedes Kind einzeln überlegen, welche Unterstützung, welche Förderung es braucht und wie wir es gut begleiten können, dann ist es meiner Ansicht nach egal, zu welcher Vielfaltsdimension das Kind zugeordnet wird oder sich selber zuordnet. Es geht um das Kind als Individuum. Darüber hinaus müssen wir auf einer anderen Ebene überlegen, was sind Barrieren, die eine gleichberechtigte Teilhabe verhindern? Da kommen wir in vielen Fällen auch ein ganzes Stück weiter, wenn wir uns überlegen, welche Barrieren für jedes einzelne Kind bestehen (können). Denn Barrieren, die eine gleichberechtigte Teilhabe verhindern, gibt es nicht nur für Menschen mit Behinderungen. Also wäre eine Idee, eine Möglichkeit sich vor der Überforderung zu schützen, der Blick auf jedes Individuum und darauf, was es kann, was es braucht, was es unterstützt, was es hindert, etc.

Wenn sich bspw. bei dem Verständnis von Inklusion nur auf die Zielgruppe von Menschen mit Behinderungen fokussiert wird, ist es dann nicht auch ein sehr eindimensionales Verständnis von Identitäten? Menschen sind nicht nur Menschen mit Behinderungen oder Menschen ohne Behinderungen, sie sind zeitgleich auch heterosexuell, homosexuell, Mann, Frau, Kind, Erwachsener, Schwarz, Weiß, mit Fluchterfahrung, ohne Fluchterfahrung, mit Migrationsgeschichte, ohne Migrationsgeschichte, arbeitssuchend, mit Arbeit, Rentner, nicht Erwerbstätig und so weiter. Die Identität eines Menschen besteht aus sehr vielen unterschiedlichen Facetten. Und wie inklusiv, also nicht ausschließend bzw. nicht diskriminierend ist es, wenn es z.B. in einer Einrichtung zwar Menschen mit Behinderungen gibt und Barrieren in Bezug auf die Behinderung reduziert werden, die die gleichberechtigte Teilhabe verhindern, aber der Mensch kein deutsch spricht und alle Angebote ausschließlich in deutscher Sprache stattfinden? Menschen lassen sich nicht auf ein Identitätsmerkmal und eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe reduzieren.  Deshalb müssen mehr Dimensionen betrachtet werden. Die Mehrfachdiskriminierung von Menschen muss verhindert werden.

Wenn wir davon ausgehen, dass es sich bei Inklusion um ein Menschenrecht handelt, ist dann eine Zielgruppeneingrenzung möglich? Die Menschenrechte haben einen universellen Anspruch – sie gelten für alle Menschen zu jeder Zeit an jedem Ort und zwar sofort. Die Menschenrechte haben die Verhinderung von Diskriminierung und die gleichberechtigte Teilhabe und die Gleichwertigkeit der Menschen als Ziel. Damit sind sie mit den Zielen von Inklusion identisch. Wenn Inklusion dann auch für alle Menschen zu jeder Zeit an jedem Ort und zwar sofort als Anspruch gültig ist, dann ist eine Zielgruppeneingrenzung, meiner Auffassung nach nicht legitim. In den Menschenrechten ist auch das Recht auf Bildung verankert. Und nicht nur Menschen mit Behinderungen ist dieses Recht in vielen Fällen versagt. Es gibt viele Barrieren, Diskriminierung und Ausschluss in unserem Bildungssystem und davon sind nicht nur Menschen mit Behinderungen betroffen. Daran muss gearbeitet werden. Das System muss betrachtet und verändert werden, so dass dieser universelle Bildungsanspruch umgesetzt wird. Auch hier ist eine Eingrenzung der Zielgruppe meiner Auffassung nach nicht zulässig.

In der Stellungnahme des Bundesjugendkuratoriums wird auch darauf hingewiesen, dass die Gefahr besteht, dass wenn alle mit in die Betrachtung einbezogen werden, einzelne Gruppen (z.B. Menschen mit Behinderungen) “vergessen” werden, aus dem Blick geraten und die notwendigen Prozesse und Veränderungen langsamer oder gar nicht vonstatten gehen, weil es so viele Baustellen gibt und man sich natürlich nicht um alle gleichzeitig kümmern kann und deshalb eine Priorisierung vornimmt. Naheliegend ist es da, dass man sich für die Gruppen zuerst entscheidet, wo die Prozesse nicht so schwierig, oder die Veränderungen nicht so immens sind. In diesem Fall ist die Gefahr des aus dem Blick geraten einer Zielgruppe real. Aber nur unter der Voraussetzung, dass die Identitäten eindimensional sind. Da aber mehrere Merkmale und Gruppenzugehörigkeiten miteinander verwoben sind, sind auch die Baustellen miteinander verwoben und wenn wir uns, als ein Ziel von Inklusion, gegen Diskriminierung einsetzen – wollen wir da eine Priorisierung vornehmen, gegen welche Diskriminierung wir uns zuerst wenden und gegen welche anschließend, also welche Diskriminierung schlimmer ist als eine andere? Das würde diese Herangehensweise nach meinem Verständnis implizieren. Und das ist fatal. Und wenn wir uns gegen jede Diskriminierung engagieren, dann müssen wir natürlich auch betrachten, wie die Diskriminierung verhindert werden kann – welche Bedingungen müssen dafür gegeben sein, damit die Menschen nicht diskriminiert, ausgeschlossen oder behindert werden.

Die auch im Text erwähnte Gefahr der Worthülse ohne Inhalt, zu der Inklusion bei einem umfassenden Verständnis werden kann, besteht natürlich. Keine Frage. Aber diese Gefahr besteht nicht wegen des umfassenden Verständnis von Inklusion, sondern weil der Begriff gerade in Mode ist. Und er ist es nicht nur in der Arbeit mit Menschen ohne Behinderungen, sondern auch sehr stark in Arbeitsfeldern mit Menschen mit Behinderungen. Integrative Angebote werden als inklusiv betitelt,weil es gerade modisch und aktuell ist und dafür auch Gelder akquiriert werden können. Jeder Begriff, der in irgend einer Form modisch ist und/oder im Trend liegt, läuft Gefahr von jedem für unterschiedliches benutzt und vereinnahmt zu werden und dadurch seinen Inhalt, seine Trennschärfe und vielleicht auch seine gesellschaftliche Sprengkraft zu verlieren (wie z.B. der Begriff der Inklusion, der im Grunde einen vollständigen gesellschaftlichen Wandel bedeuten würde). Ebenso ist es möglich, dass Begriffe emotional anders besetzt werden, dass eigentlich positiv besetzte Begriffe negativ aufgefasst werden (die Frustration im System Schule über die Verordnung von Inklusion wäre ein Beispiel dafür). Modewörter kommen und gehen, werden vereinnahmt, umgedeutet, verlieren an Interesse und verschwinden ggf. wieder. Und natürlich besteht diese Gefahr auch bei dem Konzept von Inklusion. Deshalb sollte kritisch hinterfragt werden, wer wann das Konzept nennt, und aus welcher Motivation heraus? Für wen ist es wie und warum interessant und welchen Hintergrund kann es haben?

Hier geht es zu einem Blogbeitrag von mir, in dem ich mich mit der Frage auseinander gesetzt habe, was passiert, wenn Inklusion nicht mehr modisch ist.

Ich finde das Thema Inklusionsverständnis sehr interessant und sehr diskussionswürdig und freue mich deshalb über einen regen Austausch dazu.