Arbeitshilfe für Inklusion in der Jugendarbeit

Im Oktober 2014 wurde die Arbeitshilfe “Index für die Jugendarbeit zur Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung” von Thomas Meyer und Christina Kieslinger durch das Institut für angewandte Sozialwissenschaften an der Dualen Hochschule Baden Württemberg Stuttgart herausgegeben.

Hier geht es zu der Arbeitshilfe.

Im Folgenden nenne ich einige aus meiner Sicht wichtige Aspekte dieser Arbeitshilfe in der inhaltlichen Reihenfolge.

1 Einführung – Inklusion geht uns alle an

1.1 Welche Rolle spielt Inklusion in der internationalen Menschenrechtsdiskussion

Die aktuelle Debatte über Inklusion wird im Kontext von Menschenrechtsdokumenten betrachtet. Es fehlte in der “Anti-Diskriminierungsklausel der Menschenrechtserklärung die ausdrückliche Erwähnung von Menschen mit Behinderung” (S. 11). Die Idee von Inklusion wurde in der Vergangenheit immer wieder von verschiedenen Organisationen und Interessenverbänden formuliert und gefordert. 1994 wurde durch die Salamanca-Erklärung das Thema stärker in den Fokus gerückt und durch die Verabschiedung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wurden die Menschenrechte explizit auch für Menschen mit Behinderungen formuliert und vereinbart. Dadurch bekam auch das Thema Inklusion eine neue Aufmerksamkeit. Für die Jugendhilfe ist es insofern relevant, weil in der Konvention auch das Thema Kinder mit Behinderungen genannt ist und weil es in der UN-Kinderrechtekonvention einen Artikel zu Kindern mit Behinderungen gibt. (Vgl. S. 11f.)

1.2 Was sind die wesentlichen Inhalte der UN-Behindertenrechtskonvention?

Ein wichtiger Aspekt ist der sogenannte Paradigmenwechsel. Behinderung wird nicht als Defizit, Mangel, Problem eines Individuums verstanden, sondern als Barrieren zur Teilhabe. Der Fokus liegt also auf den gesellschaftlichen Bedingungen. Menschen mit Behinderungen steht ein “gleichberechtigter Zugang zum allgemeinen Bildungssystem, zum Arbeitsmarkt, zum sozialen und kulturellen Leben sowie zur Politik zu” (S. 13). Deswegen müssen gesellschaftliche Strukturen und Bedingungen verändert werden. (Vgl. S. 12f.)

Es werden nachfolgende einige Artikel beispielhaft genannt, die die gesamtgesellschaftliche Aufgabe von Inklusion verdeutlichen.

1.3 Was bedeuten diese Forderungen nun für ein Gemeinwesen?

“Zusammenfassend geht die Idee der Inklusion also Hand in Hand mit der Notwendigkeit der Öffnung eines Sozialraums für die Belange behinderter Menschen” (S. 15).

“Das heißt, es müssen Unterstützungsmöglichkeiten aufgebaut werden, die es ermöglichen, dass die Unterstützung dort erbracht wird, wo Menschen mit Behinderung leben, arbeiten und Freizeit verbringen” (S. 16).

Die Sonderpädagogik ist weiterhin notwendig und deshalb spielen Kooperationen zukünftig eine noch größere Rolle (vgl ebd.).

2 Inklusion von Kindern und Jugendlichen

2.1 Kinder- und Jugendliche in der UN-Behindertenrechtskonvention

In der Konvention wird in mehreren Artikeln auf das Thema Kinder mit Behinderung gesprochen. Der Artikel 7 der Konvention bezieht sich vollständig auf Kinder mit Behinderung. (Vgl. S. 16f.)

“In diesem eigenständigen Artikel steht vor allem der Aspekt der Gleichberechtigung, Meinungsäußerung und Beteiligung von Kindern im Vorder-grund” (S. 17).

Nachfolgend werden Artikel 7 – Kinder mit Behinderung, Artikel 23 – Achtung der Wohnung und der Familie, Artikel 24 – Bildung als Beispiele genannt und vollständig zitiert.

2.2 Welche Erfahrungen gibt es bisher mit Inklusion in der Kinder- und Jugendarbeit?

Die Umsetzung von Inklusion in der Kinder- und Jugendarbeit fand bislang wenig Beachtung. Überwiegend wird Inklusion im Bildungswesen verortet und besprochen. Für die Kinder- und Jugendarbeit ist es wichtig, sich mit Partizipationsmöglichkeiten zu beschäftigen und zu reflektieren, welche Methoden für eine inklusive Kinder- und Jugendarbeit geeignet sind. Partizipation in der Kinder- und Jugendarbeit ist wichtig und grundlegend, da Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit “der einzige Ort [sind], an dem Kinder und Jugendliche eigenständig gestalten und auslotbare Erfahrungsräume nutzen können, in denen nicht Erwachsene mit ihren Erwartungen Orientierungspunkte bilden und in denen eine Lernkultur vorherrsch, die auf Erfahrungen des alltäglichen Lebens setzt und so nachhaltige Wirkung auf Bildungsprozesse entfaltet” (S. 20, zit. nach AGJ 2012, S. 59).

Des Weiteren gibt es bislang nur wenige Studien , die sich mit dem Thema Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in der Kinder- und Jugendarbeit beschäftigen. In der Kinder- und Jugendarbeit sind Kinder und Jugendliche mit Behinderungen unterrepräsentiert und oft sind inklusive Angebote einmalig, zeitlich befristete Projekte oder Aktionen. (Vgl. S. 20f.)

3 Inklusion – was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff?

Der Begriff “Inklusion” bedeutet “Einschließung”, “Enthaltensein” und kommt aus dem Lateinischen (vgl. S. 22).

3.1 Inklusion erfordert den Abbau aller Barrieren

“Inklusion zu ermöglichen bedeutet, (Zugangs-)Barrieren vollständig abzubauen. Mit Zugangsbarrieren sind keinesfalls nur räumliche Barrieren gemeint (dies wird oftmals spontan mit dem Begriff der “Barrierefreiheit” assoziier), sondern gleichermaßen auch sprachliche Barrieren, soziale Barrieren (wie Berührungsängste, Vorurteile, Diskriminierung), aufgabenbezogene Barrieren (z.B. im Hinblick auf Sportarten, Spielabläufe, usw.) oder institutionelle Barrieren wie bestimmte Zugangsvoraussetzungen (etwa für Mitgliedschaft in einem Verein oder für eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt).” (S. 23)

“Inklusion bezeichnet also allgemein das Bestreben, ein Gemeinwesen so zu gestalten, dass alle darin lebenden Menschen teilhaben können und Zugang zu sämtlichen bedeutsamen Lebensbereichen und Dienstleistungen haben” (S. 23).

3.2 Inklusion bedeutet Anpassung gesellschaftlicher Strukturen an Bedürfnisse und Bedarfe von Menschen mit Behinderung

Es steht nicht mehr der Mensch mit seinen Defiziten und möglichen Ansätzen, diese zu kompensieren im Fokus der Betrachtung, sondern die Gesellschaft mit ihren Bedingungen (vgl. S. 24).

“Der Blick richtet sich nicht auf die “Defizite” behinderter Menschen, sondern auf defizitäre gesellschaftliche Strukturen bzw. Barrieren im Gemeinwesen” (S. 24).

3.3 Inklusion erfordert eine Unterstützung am jeweiligen Wohn-, Arbeits- und Lebensort

Inklusion bedeutet allerdings nicht, dass Menschen mit Behinderungen keine Unterstützung mehr erhalten sollen. Die Unterstützung soll aber nicht mehr in Sondersystemen und Sonderorten stattfinden, sondern dort, wo die Menschen leben, arbeiten und wohnen. (Vgl. S. 25)

3.4 Inklusion bedeutet Akzeptanz von Vielfalt

Verschiedenheit ist normal und die Unterteilung von Menschen in scheinbar homogene Gruppen macht im Kontext von Inklusion keinen Sinn. Es geht also darum Ausgrenzung zu vermeiden. (Vgl. S. 26)

Die Kinder- und Jugendarbeit eignet sich hervorragend dafür, Lernprozesse anzustoßen, die Vielfalt wertschätzen und als Normalzustand zu verstehen (vgl. ebd.).

“Dafür gibt es zwei Gründe:

1) Inklusion sollte so früh wie möglich stattfinden, d.h. je früher ein Kontakt zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung entsteht, desto weniger Berührungsängste haben Menschen vor dem Thema Behinderung. […]

2) Freizeit bietet aufgrund der darin angelegten informellen Bildungsprozesse ein nahezu unübertroffenes Übungsfeld zur Entwicklung inklusiver Angebote. Mit Hilfe von didaktisch reflektierten und professionell moderierten Freizeitangeboten können hervorragend Kontaktsituationen zwischen Kindern/Jugendlichen mit und ohne Behinderung initiiert und gesteuert werden.” (S. 26f.)

Die daraus folgende Inklusionspädagogik mit dem Ziel Vielfalt wertzuschätzen baut dabei auf der Pädagogik der Vielfalt nach Prengel und auf integrationspädagogischen Ansätzen auf (vgl. S. 27).

3.5 Inklusion ist auf soziale Lernprozesse und Akzeptanz aller BürgerInnen eines Gemeinwesens angewiesen

Da es in der Vergangenheit wenig Berührungspunkte von Menschen mit und ohne Behinderungen gab, muss dieser geübt und erlernt werden. Berührungsängste müssen abgebaut und der Kontakt miteinander geübt werden. Diese Kontakte müssen begleitet und mit geeigneten Methoden und Maßnahmen unterstützt werden. Kenntnisse über Gruppenprozesse sind bei dem Prozess sehr hilfreich. (Vgl. S. 28f.)

4 Der Index für Inklusion als Orientierungs- und Umsetzungshilfe

Bisher gibt es einen Index für Inklusion für die Schule, für Kommunen und für Kindertageseinrichtungen. Die Indexe sind in die Bereiche “inklusive Strukturen”, “inklusive Praktiken” und “inklusive Kulturen” unterteilt und diese Unterteilung ist auch für die Kinder- und Jugendarbeit sinnvoll. (Vgl. S. 30f.)

4.1 Inklusive Kulturen schaffen: inklusives Denken ermöglichen durch Wertschätzung von Vielfalt und Sensibilisierung aller Beteiligten

In dieser Dimension geht es um die Auseinandersetzung mit der Einrichtungskultur, dem Leitbild und der eigenen Haltung mit dem Ziel Vielfalt als Normalzustand anzuerkennen und wertzuschätzen, Berührungsängste abzubauen und sich in andere Perspektiven als die eigene hineinversetzen zu können. (Vgl. S. 32f.)

4.2 Inklusive Strukturen/Leitlinien etablieren: Barrierefreiheit und geeignete Strukturen für inklusive Angebote

Bei dieser Dimension geht es um den Abbau von Barrieren, um den Zugang zu Informationen und die Zugänglichkeit von Angeboten )vgl. S. 33f.).

4.3 Inklusive Praktiken/Praxis entwickeln: Passgenaue Unterstützung und geeignete Angebote organisieren, aufbauen und nachhaltig implementieren

Hierzu gehören die Planung und Gestaltung von Angeboten (vgl. S. 34f.)

5 Transfer: Der Index für Inklusion für die Kinder- und Jugendarbeit

“Dem Verständnis von Inklusion folgend geht es nicht darum, spezielle “Sonderwege” oder einmalige Angebote für behinderte Kinder und Jugendliche zu entwickeln, sondern darum, dass die (bestehenden) Angebote der Kinder- und Jugendarbeit von vornherein so gestaltet werden, dass sie der gegebenen Vielfalt gerecht werden” (S. 35).

Die genannten Indexe und ihre Dimensionen werden deshalb auf den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe übertragen.

5.1 Inklusive Kulturen schaffen: Inklusives Denken in Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit etablieren

Damit Begegnungen zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen die Basis für eine inklusive Kultur sein können, müssen diese Begegnungen unterstützt und begleitet werden. Die Unterstützungsmaßnahmen richten sich an alle in der Einrichtung tätigen und Personen und richten sich auch an die Zielgruppe der Einrichtung. (Vgl. S. 36)

Folgende unterstützende Maßnahmen sind hilfreich: Sensibilisierung und Wissensvermittlung, Gestaltung von Kontaktsituationen, Schulung und Fortbildung, Öffentlichkeitsarbeit und Sozialraumbezug (vgl. S. 36f.)

5.2 Inklusive Strukturen etablieren: Barrierefreiheit und Gestaltung/Anpassung von Angeboten in Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit

Es müssen Barrieren verschiedener Art abgebaut werden. Dazu müssen sie vorerst identifiziert werden. Dafür sind Schulungen aller  in der Einrichtung Tätigen unerlässlich. Daneben ist die Reflexion der eigenen Angebote notwendig – welche Zugangs- und Nutzungsbedingungen gibt es, wie sind die Angebote geplant und gestaltet. (Vgl. S. 38)

Folgende Maßnahmen sind in diesem Bereich hilfreich: Identifizierung und Beseitigung räumlicher Barrieren, Identifizierung und Beseitigung sprachlicher Barrieren, Identifizierung und Beseitigung von sozialen Barrieren, Identifizierung und Beseitigung von inhaltlichen Barrieren, Schulung von MitarbeiterInnen und Ehrenamtlichen zur Identifizierung von Barrieren, Erreichbarkeit der Angebote (vgl. S. 39).

5.3 Inklusive Praktiken entwickeln: Passgenaue Angebote kreieren, Unterstützung organisieren, aufbauen und sichern

Für die Angebote ist es wichtig, den Bedarf an Unterstützung zu kennen und Möglichkeiten zur Partizipation zu schaffen. Dafür sind Kooperationen mit sonderpädagogischen Akteuren entscheidend. (Vgl. S. 39f)

Geeignet sind folgende Maßnahmen: Einholen von Informationen über den jeweiligen Unterstützungsbedarf, Anpassung bestehender Angebote und Ausrichtung neuer Angebote an den Unterstützungsbedarf aller Teilnehmenden, moderierte Kontaktsituation und –angebote, Erschließung von Ressourcen zur Unterstützung, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für alle in der Einrichtung Tätigen (vgl. S. 40).

6 Indikatoren zur Selbstbewertung und Evaluation inklusiver Vorhaben in der Kinder- und Jugendarbeit

Der Index für Inklusion ist ei Hilfsmittel zur Selbstbewertung und Evaluation. Es werden hierbei Skalen für die Bewertung benutzt und die genannten Dimensionen in weitere Kategorien unterteilt. (Vgl. S. 41)

6.1 Inklusive Kulturen in Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit schaffen

Dieser Bereich wurde unterteilt in Gemeinschaft bilden und Inklusive Werke verankern (vgl. S. 42).

in der Arbeitshilfe werden nun die Indikatoren dieser Dimension aufgelistet.

6.2 Inklusive Strukturen/Leitlinien etablieren

Dieser Bereich wurde unterteilt in Eine Einrichtung für alle entwickeln und Umgang mit Vielfalt organisieren (vgl. S. 45).

In der Arbeitshilfe werden nun die Indikatoren dieser Dimension aufgelistet.

6.3 Inklusive Praxis entwickeln

Dieser Bereich wurde unterteilt in Aktivitäten und Angebote gestalten und Unterstützung sichern und Ressourcen mobilisieren (vgl. S. 48).

In der Arbeitshilfe werden nun die Indikatoren dieser Dimension aufgelistet.

7 Umsetzung von Inklusion und Arbeit mit dem Index in der Kinder- und Jugendarbeit

Der Index ist ein Hilfsmittel zur Umsetzung von Inklusion. Dieser Prozess ist zirkulär zu betrachten und besteht “aus fünf Phasen: Phase 1: Mit dem Index beginnen, Phase 2: Die Einrichtungssituation beleuchten, Phase 3: Einen inklusiven Plan entwerfen, Phase 4: Den inklusiven Plan in die Praxis umsetzen, Phase 5: Den Index-Prozess evaluieren” (S. 50).

Für die einzelnen Phasen gibt es empfohlene Schritte, die die Planung und Umsetzung dieser Phasen erleichtern und verbessern (vgl. S. 51).

In Phase 1 wird ein Index-Team gebildet, das vorhanden Wissen zusammengetragen, die eigene Haltung reflektiert. . In Phase 2 werden weitere Personen mit einbezogen, konkrete Aktivitäten geplant und Aufgaben verteilt und die Analyse der Einrichtung wird begonnen. In Phase 3 entsteht ein Plan mit Prioritäten zur Umsetzung von Inklusion. Dieser Plan wird in Phase 4 umgesetzt und in Phase 5 wird diese Umsetzung analysiert und bewertet. (Vgl. S. 51ff.)

7.1 Leitindikatoren für die Prozessgestaltung

In der Arbeitshilfe sind in diesem Kapitel Anregungen und Hilfestellungen zu den einzelnen Phasen und den dazugehörigen Maßnahmen aufgeführt, die den Prozess erleichtern und strukturieren sollen.

7.2 Erfahrungen mit der Umsetzung von inklusiven Aktivitäten in der Kinder- und Jugendarbeit – ausgewählte Praxisbeispiele

In diesem Abschnitt werden 4 Standorte und ihre Erfahrungen in der Arbeit mit dem Index beschrieben.

“Zu Beginn des Inklusionsprozesses bietet es sich neben dem Aufbau eines Initiativteams an, öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie z.B. Inklusionsforen durchzuführen. Dadurch können multiprofessionelle, generationenübergreifende Arbeitsgruppen gebildet werden. Zur Motivationsaufrechterhaltung und –steigerung sowohl des Inklusionsteams als auch des erweiterten Teams kommt es dann insbesondere auf die Möglichkeit zur Mitgestaltung seitens aller Beteiligten an. Bei der konkreten Planung von Aktivitäten ist dabei eine Vergabe von Zuständigkeiten anzustreben. Findet bereits ein konkreter Einbezug von Menschen mit Behinderung in Aktivitäten, Vorhaben oder sogar in den Regelbetrieb statt, müssen verlässliche Unterstützungsstrukturen aufgebaut werden. Dazu eigenen sich Kooperationen mit Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie der Einbezug von Ehrenamtlichen bzw. BesucherInnen.” (S. 67f.)

“Für den Erfolg eines inklusiven Vorhabens sind zunächst die Art und das ziel der jeweiligen Aktivität relevant. Letzteres sollte eher offen gehalten werden. Zudem sollten inklusive Angebote auf gemeinschaftserleben setzen, auf Partizipation und Freiwilligkeit beruhen sowie in kleinen Gruppen durchgeführt werden. Was das Bewerben des Angebots betrifft,sollte man hierzu vorab die Vor- und Nachteile abwägen und einen entsprechenden Sprachstil finden. Für die Planung und konkrete Umsetzung sind Kooperationen mit anderen Einrichtungen im Stadtteil und Institutionen der Behindertenhilfe, das Einholen von Informationen über das Thema Behinderung und die Sicherstellung der Unterstützung von Nöten. Prinzipiell muss zwischen Sensibilisierungsaktionen und inklusiven Aktivitäten unterschieden werden. beides sollte jedoch parallel und – wenn möglich – thematisch verschränkt geplant und durchgeführt werden.” (S. 75)

“Zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit bedarf es an geeignetem Personal und zeitlichen Freiräumen, öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten sowie einem kontinuierlichem Barrierenabbau im Gemeinwese. Zusätzlich benötigt es eine zentrale verantwortliche Ansprechperson, den Einsatz von ehrenamtliche Kräften, die Kooperation und Vernetzung mit verschiedenen ortsansässigen AktuerInnen und Einrichtungen der Behindertenhilfe, Strategien zur Aufrechterhaltung der Motivation und schließlich eine kontinuierliche Evaluation des Prozesses und der Wirkungen der Angebote.” (S. 77f.)

8 Zusammenfassung: Handlungsempfehlungen und Praxishilfen zur Gestaltung inklusiver Aktivitäten und Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit

Für die Umsetzung von Inklusion bieten Freizeitangebote einen geeigneten Rahmen, sofern sie regelmäßig stattfinden und sich nicht in kurzfristigen Events erschöpfen. Inklusive Prozesse kommen nur durch langfristigen Kontakt zustande und die gemachten Erfahrungen müssen positiv sein. Die Angebote sollten sich nicht nur auf Jugendliche beschränken, sondern auch schon Kinder als Zielgruppe in Betracht ziehen. (Vgl. S. 78)

8.1 Organisatorische Rahmenbedingungen der Programmplanung und – gestaltung

Folgende Voraussetzungen sind entscheidend für inklusive Freizeitangebote: räumliche, aufgabenbezogene, sprachliche und soziale Barrierefreiheit; explizites Ausschreiben der Angebote; vorheriges Sammeln von Informationen über den jeweiligen Unterstützungsbedarf und den Bedarf aller Teilnehmenden; Schulung, Vorbereitung und Sensibilisierung aller in der Einrichtung Tätigen. (Vgl. S. 79f.)

8.2 Vernetzung, Aufbau von Kooperationen, Ansprechpartner, Elternarbeit und Öffentlichkeitsarbeit

In diesem Feld sind folgende Voraussetzungen wichtig: Kooperation mit der Behindertenhilfe; Kooperation mit der Schule; Ansprechpersonen zur Verfügung stellen; Elternarbeit mit Eltern von Kindern/Jugendlichen mit und ohne Behinderung; Öffentlichkeitsarbeit. (Vgl. S. 80ff.)

8.3 Sicherung von Unterstützung, Assistenzpols, Unterstützerkreise

Folgende Voraussetzungen sind dafür von Bedeutung: Kenntnisse des Unterstützungsbedarfs und den Bedarf der Teilnehmenden; Unterstützungsplanung mit der Behindertenhilfe; Aufbau eines Assistentenpools. (Vgl. S. 83ff.)

8.4 Inhaltliche Rahmenbedingungen der Programmplanung und –gestaltung

Hierbei spielen folgende Aspekte eine Rolle: Freiwilligkeit der Teilnahme, Ergebnisoffenheit/Zwanglosigkeit/Statusgleichheit; Vereinfachung/Anpassung der Angebote an Bedürfnisse behinderter Kinder/Jugendliche; Gemeinschaftserleben/zielorientiere gemeinsame Aufgaben; Teilhabe und Mitbestimmung aller Beteiligten muss ermöglicht werden; Thematisierung von Behinderung (nur bei Gruppen ohne Erfahrung mit behinderten Menschen). (Vgl. S. 85f.)

8.5 Programmdurchführung: Beobachtung und Steuerung der Gruppendynamik

Folgende Punkte sind in diesem Bereich relevant: Steuerung von Gruppen/Konfliktmanagement; Stärken behinderter Kinder und Jugendlichen entdecken; Gemeinsamkeiten entdecken und verdeutlichen; Reflexion und Evaluation des/der Angebots/e im Team. (Vgl. S. 86f.)

9 Literaturnachweise und Tipps zum Weiterlesen

10 Anhang: Fragebogen zum Index für Inklusion

Die oben genannten Indikatoren sind hier mit der Skala aufgeführt und als Arbeitspapier angehangen

Mein Fazit

Die Arbeitshilfe gibt einem nicht nur konkretes Material (den Index) mit an die Hand, sondern führt auch in das Thema Inklusion und seine Verortung im Menschenrechtsdiskurs ein. Das erleichtert aus meiner Sicht den Einstieg, da relativ schnell mit dem Prozess begonnen werden kann, ohne vorher noch verschiedene Literatur zu bemühen, da sich die wichtigen Grundlagen für den Einstieg in dieser Arbeitshilfe befinden. Die Autor_innen haben sich bewusst auf Menschen mit Behinderungen begrenzt, aber weitere Zielgruppen und Indexe sollen folgen. Laut Vorwort soll es dann in einen vollständigen Index für die Kinder- und Jugendarbeit münden. Diese geplanten Gesamtperspektive, also das umfassende Inklusionsverständnis begrüße ich sehr. Der vorliegende Index in der Arbeitshilfe ist dennoch ein erster Schritt und ein erster Zugang zum Thema und aus meiner Sicht sehr zu empfehlen. Die aufgeführten Indikatoren sind sehr detailliert und ermöglichen so einen intensiven Austausch zum Thema.

Den Index und viele weitere Informationen gibt es auch online auf der Projektseite http://www.inklumat.de/

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