Bericht: Inklusion aus einer doppelten Perspektive: Kindertageseinrichtungen 

Am 25.6.2015 fand ein weiterer Vortrag in der Vortragsreihe Inklusion der Universität Bamberg statt. Katherina Arca von FISCo e.V. Referierte zum Thema: „Inklusion aus einer doppelten Perspektive: Kindertageseinrichtungen“.

Es folgen wieder fragmentarisch einige aus meiner Sicht wichtige inhaltliche Aspekte des Vortrags. Die Reihenfolge entspricht nicht zwangsläufig der Reihenfolge im Vortrag.

Katherina Arca arbeitet bei dem Förderverin Integrative Schule Coburg FISCo e.V. (www.fisco-coburg.de). Der Verein führt u.a. Beratungen zu dem Thema Inklusion im Schulalter durch.

Katherina Arca nennt das Bayrische Kinder-Bildungs- und Erziehungsgesetz (BayKiBiG) als eine rechtliche Grundlage für Inklusion in Kindertageseinrichtungen. In dem Gesetz ist sowohl der Integrationsauftrag, als auch die Pflicht alle Kinder und Jugendlichen zu berücksichtigen, formuliert.

Eine weitere rechtliche Grundlage ist für Katherina Arca die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Diese kürzt sie mit UN-KRMB ab, im Gegensatz zu der gängigen Variante UN-BRK (UN-Behindertenrechtskonvention). Insbesondere verweist sie auf den Artikel 24 mit dem „Recht auf inklusive Bildung“.  Dort ist formuliert, dass die Aspekte Zugänglichkeit, Barrierefreiheit, Teilhabe und Selbstbestimmung gewährleistet sein müssen.

Einhergehend mit der UN-Konvention wird häufig von einem Paradigmenwechsel, von einem Blickwechsel gesprochen. Der Fokus verschiebt sich weg vom Kind als Problem hin zu dem Bildungssystem als Problem. 

Katherina Arca verweist darauf, dass die UNESCO viele Papiere zu dem Thema Inklusive Bildunb veröffentlicht hat. Die UNESCO hat dort auch den Unterschied zwischen Integration und Inklusion herausgearbeitet.

Was Inklusion genau für die Kindertageseinrichtungen bedeutet, wird in Anlehnung an den Index für Inklusion in „inklusive Kulturen“, „inklusive Strukturen“ und „inklusive Praxis“ unterteilt.

Zu den inklusiven Kulturen gehören z.B. gemeinsame Werte wie Menschen- und Weltbild, Ressourcenorientierunh, willkommen sein, Partizipation, Vorurteilsbewusstheit, berufliches Selbstverständnis, Chancengleichheit und Wertschätzung.

Die Ressourcenorientierung ist wichtig in den Bereichen Diagnostik, Diagnose und Förderung. Es geht darum, nicht immer mit dem defizitären Blick auf ein Kind zu gucken, sondern die Stärken des Kindes in den Vordergrund zu stellen. Das bedeutet allerdings nicht, dass an Problemem und Defiziten nicht gearbeitet wird. 

Die Räume spielen in Kindertageseinrichtungen eine entscheidene Rolle. Es müssen Funktionsräume sein, sie müssen barrierefrei (Vorhandensein von Hilfsmitteln, räumlich, sprachlich und materiell barrierefrei) sein und es muss eine vorbereitete Umgebung für die Kinder da sein (zum Lernen, zur Auseinandersetzung etc.)

Ebenso ist eine Tages- und Wochenstruktur wichtig. Es müssen also eine klare Struktur, ein klarer Rhythmus und Rituale vorhanden sein.

Zu einer inklusiven Struktur gehören eine systemorientierte Finanzierung, ein die Vielfalt der Kinder berücksichtigender Anstellungsschlüssel, multiprofessionelle „Bildungs-Teams“, partizipativ-demokratische Entscheidungsstrukturen, Vernetzung und Kooperation mit externen Experten, Unterstützerkreise (Ehrenamtliche, Verein etc.).

Für die inklusve Praxis sind gesteuerte,  geplante und evaluierte Integrationsprozesse wichtig. Des Weiteren müssen Unterschiede benannt werden, aber zugleich auch auf Gemeinsamkeiten aufmerksam gemacht werden. Das „anders sein“ und daraus entstehende Fragen können und sollen als Lernanlass für die Kinder genommen werden. Es ist wichtig eigene Vorurteile zu reflektieren und sich dieser bewusst zu sein. Katherina Arca weist darauf hin, dass Integrationsprozesse nicht als Projekte anzulegen sind, somderm als langfristitige Prozesse. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Lernen am gemeinsamen Gegenstand. Dazu gehört auch, dass die Lernpersönlichkeiten der Kinder und ihre Zugänge im Mittelpunkt stehen und das es eine Vielfalt an Methoden für das Lernen gibt. Ansätze inklusiver Pädagogik finden sich bei Fröbel, Montessori, in der Reggio-Pädagogik, im Situationsansatz und in der Diversity Education nach John Dewey.

Katherina Arca versteht Inklusion als Vielfalts-Management.

Es wurden zwei Internettipps gegeben:

www.inklusion-online.net

www.bidok.uibk.ac.at

Fazit

Ich fand den Vortrag sehr spannend uns anregend. Er hat viele Impulse für die inklusive Arbeit in Kindertageseinrichtungen gegeben. Einzelne theoretische Aspekte wurden praktisch mit einer Geschichte aus der Praxis unterlegt. Viele der genannten Punkte sind auch auf andere Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe transferierbar.

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