Broschüre: Auftrag Inklusion. Perspektiven für eine neue Offenheit in der Kinder- und Jugendarbeit. Inhaltliche Grundlagen, Handlungsempfehlungen und Anregungen für die Praxis

Die Broschüre mit den Titel “Auftrag Inklusion. Perspektiven für eine neue Offenheit in der Kinder- und Jugendarbeit” bietet, wie es der Untertitel verrät “Inhaltliche Grundlagen, Handlungsempfehlungen und Anregungen für die Praxis”.

Herausgegeben wurde sie von Aktion Mensch, der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej) und der Diakonie Deutschland – Evangelischer Bundesverband.

Auf dem Deutschen Jugendhilfetag in Berlin im Juni 2014 stellte Dr. Gunda Voigts den Inklusions-Check und einige Aspekte zur Standortbestimmung von Kinder- und Jugendarbeit im Kontext von Inklusion vor, beides Ergebnisse des gemeinsamen Projektes “Auftrag Inklusion – Perspektiven für eine neue Offenheit in der Kinder- und Jugendarbeit”. Sowohl die Standortbestimmung, als auch den Inklusionscheck, die man bisher separat erhalten konnte (http://www.auftrag-inklusion.de/standortbestimmung-inklusions-check), sind Teil der im Februar 2015 herausgegeben Broschüre.

Die Broschüre gliedert sich in 2 Teile. Teil 1 mit Inhaltlichen Grundlagen und einer Standortbestimmung von Kinder- und Jugendarbeit im Kontext von Inklusion und Teil 2 mit dem Inklusions-Check mit Beispielen aus der Praxis, Tipps zum Weiterlesen, Fördermöglichkeiten der Aktion Mensch und einem Anhang.

Im folgenden gebe ich eine kurze Übersicht über den Inhalt der Broschüre und nenne einige aus meiner Sicht für die Diskussion und Weiterentwicklung wichtige Aspekte aus der Broschüre.

Teil 1

A – Inhaltliche Grundlagen

“In klarer Abgrenzung zum Begriff ‘Integration’ ist mir wichtig, Inklusion als gesellschaftlichen Anspruch zu denken, in dem alle Menschen gleiche Zugangsrechte in alle Lebens- und Wirkungsbereichen haben.” (Prof. Dr. Schuppener, S. 12)

Begriff: “Menschen mit Behinderungserfahrungen” – “…macht […] deutlich, dass es um Menschen geht, die ‘behindert’ werden […]. Es geht um Menschen, die im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit Barrieren gemacht haben.” (ebd.)

“Wenn von Inklusion gesprochen wird, sollten wir immer hinterfragen, wer da von Inklusion spricht und warum, und natürlich was darunter gerade verstanden wird. Je mehr von Inklusion gesprochen wird, desto mehr verändert sich auch das dominierende Verständnis von Inklusion. Am Ende wird Inklusion dann häufig einfach nur als ein bisschen mehr Integrationsbemühung verstanden und auch noch unter den Vorbehalt der Finanzierung gestellt.” (Prof. Dr. Dannenbeck, S. 19)

“Inklusion ist und verlangt nach mehr. Sie ist das grundsätzliche Hinterfragen, wie unsere Gesellschaft mit Vielfalt umgehen möchte. Wenn wir über Inklusion reden, dann müssen wir zum Beispiel auch über die europäische Migrationspolitik, über Rassismus oder die Entwicklung sozialer Ungleichheit in der Gesellschaft sprechen.” (ebd.)

“[…] Für alle Kinder und Jugendlichen, die sich für ein bestimmtes Angebot interessieren, muss dieses auch zugänglich gemacht werden und eine Teilhabe ermöglicht werden. Das wäre der Anspruch einer inklusionsorientierten Kinder- und Jugendarbeit.” (ebd., S. 20)

“Der ‘Auftrag Inklusion’ bedeutet aus meiner Sicht für die Jugendverbände nicht, bis zur Nicht-Wiedererkennbarkeit offen zu sein, sondern zu reflektieren, wer man ist und wie man dadurch exkludiert. Inklusionsanstrengung bedeutet zuerst einmal Exklusionsreflexion.” (Prof. Dr. Sturzenhecker, S. 23)

B – Standortbestimmung von Kinder- und Jugendarbeit im Kontext von Inklusion

Auf einige “Grundlegende Gedanken zur Begriffsbestimmung und Mitverantwortung der Kinder- und Jugendarbeit auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft” (S. 49) folgen “Fakten für eine Standortbestimmung auf dem Weg zu einer Kinder- und Jugendarbeit mit inklusiven Gestaltungsprinzipien” (S. 50-51). Diese Fakten sollen “als Handwerkszeug für Debatten dienen und als konkrete Leitlinien für den Weg genutzt werden können” (S. 48).

Teil 2

A – Der Inklusionscheck mit Beispielen aus der Praxis

Der Inklusions-Check möchte “konkrete Anregungen zur Entwicklung inklusiver Gestaltungsprinzipien in der Kinder- und Jugendarbeit geben” (S. 52). Er ist eine kürzere Version des Index für Inklusion. Dadurch kann einem der Einstieg erleichtert werden, weil man nicht so abgeschreckt ist von der Fülle der Fragen, die der Index beinhaltet. Anders als in der Einzelversion (siehe oben) sind dem Check in der Broschüre Praxisbeispiele beigefügt.

Check 1: Wie offen will ich sein? – An der eigenen inklusiven Haltung arbeiten (S. 53)

Check 2: Wie offen wollen wir als Team sein? – Wie wir uns gemeinsam für Inklusion rüsten (S. 57)

Check 3: Wie offen ist der Ort an dem wir uns treffen? – Auf dem Weg zur Barrierefreiheit (S. 65)

Check 4: Wie offen sind unsere Angebote? – Wie Kinder- und Jugendarbeit mit inklusivem Anspruch aussehen kann (S. 73)

Check 5: Wie offen sind wir für das, was Kinder und Jugendliche wollen? – Was Inklusion mit Partizipation zu tun hat (S. 86)

Check 6: Wie offen sind wir für die Fragen von Eltern? – Eltern als wichtige Partner(innen) auf dem Weg zur Inklusion (S. 91)

Check 7: Wie offen sind wir für neue Kooperationen? – Mit wem sich zusammen arbeiten lässt und wie das funktionieren kann… (S. 97)

Check 8: Habt ihr den Check gecheckt? – Gedanken für den Weg (S. 109)

B – Tipps zum Weiterlesen

Hier gibt es eine Fülle an Literaturtipps rund um das Thema Inklusion – Allgemein zum Thema Inklusion; Inklusion und Kinder- und Jugendarbeit (Fachartikel); Inklusion und Kinder- und Jugendarbeit (Projekt- und Praxisberichte, Tagungsdokumentationen); Inklusion und Kinder- und Jugendarbeit (Arbeitshilfen); Thema Barrierefreiheit; Positionierungen, Beschlüsse zum Thema Inklusion; Filme und Spots; Online Angebote

C- Fördermöglichkeiten der Aktion Mensch

In diesem Kapitel werden die verschiedenen Fördermöglichkeiten der Aktion Mensch dargestellt.

A- Anhang

Im Anhang sind Kurzdarstellungen der Projektpartner und eine Danksagung.

Mein Fazit

In Anbetracht dessen, dass in der öffentlichen und medialen Diskussion das Thema Inklusion meist an der Institution Schule festgemacht und diskutiert wird und anderen Lebensbereiche weniger Aufmerksamkeit erfahren, ist diese Broschüre, die sich konkret mit Inklusion in der Kinder- und Jugendarbeit beschäftigt und viele Praxisanregungen bietet, ein wichtiger Beitrag zur Diskussion und Weiterentwicklung von inklusiver Kinder- und Jugendarbeit.

Zum Download der Broschüre gelangt man hier.

Ein Gedanke zu „Broschüre: Auftrag Inklusion. Perspektiven für eine neue Offenheit in der Kinder- und Jugendarbeit. Inhaltliche Grundlagen, Handlungsempfehlungen und Anregungen für die Praxis“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.