Archiv der Kategorie: Empfehlungen

Audiobeitrag im Deutschlandfunk

Gestern lief im Deutschlandfunk in´der Sendung “Hintergrund” ein Beitrag von Susanne Arlt mit dem Titel “UN—Behindertenrechtskonvention. Kein Akt der Gnade oder Fürsorge”.

Der Beitrag verdeutlicht anhand einiger Beispiele den aktuellen Stand der Umsetzung der UN-Konvention und zeigt ebenso Schwierigkeiten und Baustellen auf.

Den Beitrag gibt es hier zum Hören und Lesen.

Überprüfung der Umsetzung der UN-Konvention gegen rassistische Diskriminierung

Vor kurzem erst fand die Überprüfung der Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in der Bundesrepublik Deutschland statt. Die Empfehlungen des UN-Fachausschusses sind bislang noch nicht veröffentlicht.

Schon im Mai (5. und 6. Mai 2015) steht die nächste Überprüfung an. Dieses Mal geht es um die Umsetzung der UN-Konvention gegen rassistische Diskriminierung.

Diese Konvention ist genauso, wie die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, eine Menschenrechtskonvention. Es handelt sich um eine Spezifizierung der Menschenrechte für eine bestimmt Gruppe. Es sind keine zusätzlichen Rechte festgeschrieben, sondern die Gültigkeit der Menschenrechte wird für eine bestimmte Gruppe nochmal hervorgehoben.

Die Menschenrechte und die Menschenrechtskonventionen haben gleiche Rechte für alle Menschen, Abbau und Verhinderung von Diskriminierung und Ausgrenzung zum Ziel. Inklusion, verstanden als Verhinderung von Diskriminierung und Ausgrenzung, als gleiche Chancen zur Teilhabe und Partizipation, zu Gleichberechtigung und gleicher Würde für alle Menschen ist ein Menschenrecht.

Aus diesem Grund ist es auf dem Weg hin zu einer inklusiven Gesellschaft, einer inklusiven pädagogischen Praxis genauso wichtig sich auch mit Themen wie Rassismus, Homophobie, Transphobie, Sexismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Antiziganismus, Ageismus, Adultismus, etc. auseinander zu setzen und den Fokus bei dem Thema Inklusion nicht nur auf Menschen mit Behinderungen zu legen. Denn viele Menschen mit unterschiedlichen Merkmalen und Identitäten stoßen in dieser Gesellschaft  auf Barrieren, erleben Ausgrenzung und machen Erfahrungen mit Diskriminierungen. Dagegen gilt es aktiv zu werden und daran zu arbeiten, dass sich dieser Zustand verbessert. So dass für alle Menschen gleichermaßen die Menschenrechte gelten.

Das Deutsche Institut für Menschenreche hat einen Parallelbericht an den UN-Ausschuss zur Beseitigung rassistischer Diskriminierung verfasst. Darin äußert sich das Deutsche Institut für Menschenrechte zu den Themen:

– rassistische Positionen im öffentlichen Raum

– adäquate Bearbeitung rassistischer Taten durch Polizei und Justiz – Versagen bei der Mordserie durch den “NSU” (Nationalsozialistischer Untergrund)

– Racial Profiling

– Rechtsschutz vor Diskriminierung

– Zur Situation der Unterbringung von Flüchtlingen

Der Parallelbericht unterstützt das Staatenberichtsverfahren. Die Bundesrepublik Deutschland hat 2013 den Staatenbericht vorgelegt.

Kurzfilme zum Thema Inklusion

In den vergangenen Jahren entstanden immer mehr Kurzfilme/Erklärfilme zu dem Thema Inklusion.

Hier gibt es eine kleine Auswahl an Filmen, auf die ich in der letzten Zeit gestoßen bin:

– Film der Heinrich-Böll-Stiftung

– Film der Aktion Mensch

– Film der Montag Stiftung

– Film der GEW

– Film der Bundeszentrale für politische Bildung

Viel Spaß beim Schauen!

Welche Kurzfilme/Erklärfilme gibt es noch, die empfehlenswert sind?

Broschüre: Auftrag Inklusion. Perspektiven für eine neue Offenheit in der Kinder- und Jugendarbeit. Inhaltliche Grundlagen, Handlungsempfehlungen und Anregungen für die Praxis

Die Broschüre mit den Titel “Auftrag Inklusion. Perspektiven für eine neue Offenheit in der Kinder- und Jugendarbeit” bietet, wie es der Untertitel verrät “Inhaltliche Grundlagen, Handlungsempfehlungen und Anregungen für die Praxis”.

Herausgegeben wurde sie von Aktion Mensch, der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej) und der Diakonie Deutschland – Evangelischer Bundesverband.

Auf dem Deutschen Jugendhilfetag in Berlin im Juni 2014 stellte Dr. Gunda Voigts den Inklusions-Check und einige Aspekte zur Standortbestimmung von Kinder- und Jugendarbeit im Kontext von Inklusion vor, beides Ergebnisse des gemeinsamen Projektes “Auftrag Inklusion – Perspektiven für eine neue Offenheit in der Kinder- und Jugendarbeit”. Sowohl die Standortbestimmung, als auch den Inklusionscheck, die man bisher separat erhalten konnte (http://www.auftrag-inklusion.de/standortbestimmung-inklusions-check), sind Teil der im Februar 2015 herausgegeben Broschüre.

Die Broschüre gliedert sich in 2 Teile. Teil 1 mit Inhaltlichen Grundlagen und einer Standortbestimmung von Kinder- und Jugendarbeit im Kontext von Inklusion und Teil 2 mit dem Inklusions-Check mit Beispielen aus der Praxis, Tipps zum Weiterlesen, Fördermöglichkeiten der Aktion Mensch und einem Anhang.

Im folgenden gebe ich eine kurze Übersicht über den Inhalt der Broschüre und nenne einige aus meiner Sicht für die Diskussion und Weiterentwicklung wichtige Aspekte aus der Broschüre.

Teil 1

A – Inhaltliche Grundlagen

“In klarer Abgrenzung zum Begriff ‘Integration’ ist mir wichtig, Inklusion als gesellschaftlichen Anspruch zu denken, in dem alle Menschen gleiche Zugangsrechte in alle Lebens- und Wirkungsbereichen haben.” (Prof. Dr. Schuppener, S. 12)

Begriff: “Menschen mit Behinderungserfahrungen” – “…macht […] deutlich, dass es um Menschen geht, die ‘behindert’ werden […]. Es geht um Menschen, die im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit Barrieren gemacht haben.” (ebd.)

“Wenn von Inklusion gesprochen wird, sollten wir immer hinterfragen, wer da von Inklusion spricht und warum, und natürlich was darunter gerade verstanden wird. Je mehr von Inklusion gesprochen wird, desto mehr verändert sich auch das dominierende Verständnis von Inklusion. Am Ende wird Inklusion dann häufig einfach nur als ein bisschen mehr Integrationsbemühung verstanden und auch noch unter den Vorbehalt der Finanzierung gestellt.” (Prof. Dr. Dannenbeck, S. 19)

“Inklusion ist und verlangt nach mehr. Sie ist das grundsätzliche Hinterfragen, wie unsere Gesellschaft mit Vielfalt umgehen möchte. Wenn wir über Inklusion reden, dann müssen wir zum Beispiel auch über die europäische Migrationspolitik, über Rassismus oder die Entwicklung sozialer Ungleichheit in der Gesellschaft sprechen.” (ebd.)

“[…] Für alle Kinder und Jugendlichen, die sich für ein bestimmtes Angebot interessieren, muss dieses auch zugänglich gemacht werden und eine Teilhabe ermöglicht werden. Das wäre der Anspruch einer inklusionsorientierten Kinder- und Jugendarbeit.” (ebd., S. 20)

“Der ‘Auftrag Inklusion’ bedeutet aus meiner Sicht für die Jugendverbände nicht, bis zur Nicht-Wiedererkennbarkeit offen zu sein, sondern zu reflektieren, wer man ist und wie man dadurch exkludiert. Inklusionsanstrengung bedeutet zuerst einmal Exklusionsreflexion.” (Prof. Dr. Sturzenhecker, S. 23)

B – Standortbestimmung von Kinder- und Jugendarbeit im Kontext von Inklusion

Auf einige “Grundlegende Gedanken zur Begriffsbestimmung und Mitverantwortung der Kinder- und Jugendarbeit auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft” (S. 49) folgen “Fakten für eine Standortbestimmung auf dem Weg zu einer Kinder- und Jugendarbeit mit inklusiven Gestaltungsprinzipien” (S. 50-51). Diese Fakten sollen “als Handwerkszeug für Debatten dienen und als konkrete Leitlinien für den Weg genutzt werden können” (S. 48).

Teil 2

A – Der Inklusionscheck mit Beispielen aus der Praxis

Der Inklusions-Check möchte “konkrete Anregungen zur Entwicklung inklusiver Gestaltungsprinzipien in der Kinder- und Jugendarbeit geben” (S. 52). Er ist eine kürzere Version des Index für Inklusion. Dadurch kann einem der Einstieg erleichtert werden, weil man nicht so abgeschreckt ist von der Fülle der Fragen, die der Index beinhaltet. Anders als in der Einzelversion (siehe oben) sind dem Check in der Broschüre Praxisbeispiele beigefügt.

Check 1: Wie offen will ich sein? – An der eigenen inklusiven Haltung arbeiten (S. 53)

Check 2: Wie offen wollen wir als Team sein? – Wie wir uns gemeinsam für Inklusion rüsten (S. 57)

Check 3: Wie offen ist der Ort an dem wir uns treffen? – Auf dem Weg zur Barrierefreiheit (S. 65)

Check 4: Wie offen sind unsere Angebote? – Wie Kinder- und Jugendarbeit mit inklusivem Anspruch aussehen kann (S. 73)

Check 5: Wie offen sind wir für das, was Kinder und Jugendliche wollen? – Was Inklusion mit Partizipation zu tun hat (S. 86)

Check 6: Wie offen sind wir für die Fragen von Eltern? – Eltern als wichtige Partner(innen) auf dem Weg zur Inklusion (S. 91)

Check 7: Wie offen sind wir für neue Kooperationen? – Mit wem sich zusammen arbeiten lässt und wie das funktionieren kann… (S. 97)

Check 8: Habt ihr den Check gecheckt? – Gedanken für den Weg (S. 109)

B – Tipps zum Weiterlesen

Hier gibt es eine Fülle an Literaturtipps rund um das Thema Inklusion – Allgemein zum Thema Inklusion; Inklusion und Kinder- und Jugendarbeit (Fachartikel); Inklusion und Kinder- und Jugendarbeit (Projekt- und Praxisberichte, Tagungsdokumentationen); Inklusion und Kinder- und Jugendarbeit (Arbeitshilfen); Thema Barrierefreiheit; Positionierungen, Beschlüsse zum Thema Inklusion; Filme und Spots; Online Angebote

C- Fördermöglichkeiten der Aktion Mensch

In diesem Kapitel werden die verschiedenen Fördermöglichkeiten der Aktion Mensch dargestellt.

A- Anhang

Im Anhang sind Kurzdarstellungen der Projektpartner und eine Danksagung.

Mein Fazit

In Anbetracht dessen, dass in der öffentlichen und medialen Diskussion das Thema Inklusion meist an der Institution Schule festgemacht und diskutiert wird und anderen Lebensbereiche weniger Aufmerksamkeit erfahren, ist diese Broschüre, die sich konkret mit Inklusion in der Kinder- und Jugendarbeit beschäftigt und viele Praxisanregungen bietet, ein wichtiger Beitrag zur Diskussion und Weiterentwicklung von inklusiver Kinder- und Jugendarbeit.

Zum Download der Broschüre gelangt man hier.

Aktuelle Empfehlungen

Zum Einen möchte ich an dieser Stelle gerne auf ein Lied zum Thema Inklusion verweisen. Als Einstieg ins Thema finde ich es sehr geeignet. Es werden neben einer eingängigen Melodie auch einige inhaltliche Punkte angesprochen. 

Hier geht es zu dem Lied mit Videoclip.

Zum Anderen gibt es hier einen Veranstaltungstipp. Die Fachstelle Kinderwelten für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung führt am 26.06.2015 einen Fachtag mit dem Titel “Und woran glaubst du? Aktiv werden bei religionsbezogenen Ausgrenzungen in Kita und Schule” durch. Das Programm des Fachtages gibt es hier und das Anmeldeformular hier. Ich habe mich für den Fachtag angemeldet und berichte anschließend natürlich auf diesem Blog darüber.