Ergebnisse einer Umfrage zum Thema Inklusion in der Schule

Der Verband Bildung und Erziehung hat eine Umfrage zum Thema Inklusion in der Schule bei forsa in Auftrag gegeben. Nun wurden die Ergebnisse bekannt gegeben. Der Titel lautet: “Inklusion an Schulen aus Sicht der Lehrerinnen und Lehrer – Meinungen, Einstellungen, Erfahrungen”. Es handelt sich dabei, laut forsa, um eine repräsentative Lehrerbefragung.

Es ging bei der Umfrage darum, zu ermitteln, wie die Meinungen der Lehrerinnen und Lehrer zum Thema Inklusion in der Schule ist. Dafür wurden bundesweit 1.003 Lehrerinnen und Lehrer befragt.

An dieser Stelle einige fragmentarische Ergebnisse der Studie:

– 57% der Befragten finden eine gemeinsame Unterrichtung von allen Kindern mit und ohne Behinderung grundsätzlich für sinnvoll, 41% finden die Unterrichtung von Kindern mit Behinderung in Förderschulen sinnvoller

– 98% der Befragten finden, dass es in inklusiven Klassen eine Doppelbesetzung aus Lehrer und Sonderpädagoge geben sollte

– 88% der Befragen finden, dass es immer und nicht nur zeitweise eine Doppelbesetzung aus Lehrer und Sonderpädagoge geben sollte

– 55% der Befragten sind der Auffassung, dass, wenn ein inklusives Schulsystem errichtet wird, alle bisherigen Förder- und Sonderschulen erhalten werden sollen, 42% sind für eine teilweise Erhaltung und 2% für eine komplette Abschaffung

– 75% der Befragten geben an, dass an der eigenen Schule Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet werden, bei 9% ist es geplant und bei 14% nicht geplant

– 15% der Befragten geben an, dass ihre Schule für Schulkinder mit Behinderung vollständig barrierefrei ist, 31% geben an, dass ihre Schule nahezu barrierefrei ist und 52% geben an, dass ihre Schule überhaupt nicht barrierefrei ist

– 49% der Befragten geben an, dass es an ihrer Schule bereits inklusive Lerngruppen gibt, bei 11% der Befragten ist es geplant, bei 34% der Befragten ist es nicht geplant

– 32% der Befragten geben an, dass sie selbst in inklusiven Lerngruppen unterrichten

– 68% der Befragten geben an, dass es an ihrer Schule zur Unterstützung Sozialpädagogen/- arbeiter gibt, bei 67% der Befragten gibt es Sonderpädagogen, bei 14% der Befragten Schulpsychologen, bei 4% der Befragten medizinische Assistenz und bei 9% der Befragten keinen davon (In vielen Fällen steht die Person nur an ausgewählten Tagen oder zu ausgewählten Zeiten zur Verfügung)

In der Umfrage gibt es noch viele weitere Fragen und Antworten und Zahlen und ein Blick darauf lohnt sich auf alle Fälle.

Hier geht es zu dem Bericht von forsa.

Fazit/Offene Fragen:

Inwiefern ist diese Umfrage für die Kinder- und Jugendhilfe interessant?

Inklusion wird in der gesellschaftlichen Diskussion in vielen Fällen am Thema Schule festgemacht und darauf fokussiert. Das Thema Inklusion in der Schule ist meiner Ansicht nach für die Diskurse von Inklusion maßgeblich, da dem System Schule gesellschaftlich ein großer Stellenwert zugeschrieben wird. Insofern haben alle Diskurse und Debatten über Inklusion in der Schule Auswirkungen auf alle anderen Systeme. Darum ist es aus der Perspektive der Kinder- und Jugendhilfe von großer Bedeutung die aktuellen Entwicklungen in der Schule zu verfolgen und gut zu beobachten. Gegebenenfalls muss die Kinder- und Jugendhilfe dem vom System Schule vermittelten Bild von Inklusion etwas entgegen setzen. In vielen Fällen wird das Thema in der Schule auf Kinder mit Behinderungen begrenzt und auf zu steigernde Quoten reduziert. Inklusion ist aber mehr.

Es geht neben der Anzahl der Kinder (die auch gerne Inklusionskinder genannt werden, was meiner Ansicht nach das falsche Bild von Inklusion schon im Begriff verrät), vor allem um qualitative Merkmale: Wie ist der Unterricht/das Angebot strukturiert, werden individuelle Lernwege und Lernausgangslagen berücksichtigt. Welche Methoden werden angewandt und wer wird dadurch gegebenenfalls nicht erreicht oder ausgeschlossen. Was sind Barrieren? Es geht dabei nicht nur um Fahrstühle und Rampen, sondern auch um Akustik, Sprache, Methoden, Arbeitsmaterial, Raumgestaltung etc.

Und wie kann sich der Behinderungsbegriff im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention verändern?

Das alles sind nicht nur Fragen, die für das System Schule relevant sind, sondern sie sind auch für die Kinder- und Jugendhilfe von Bedeutung. Und sie müssen von dieser mit Leben gefüllt werden. Die Kinder- und Jugendhilfe kann und muss sich inhaltlich und fachlich positionieren und auch zu den gesellschaftlichen Diskursen beitragen.

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