Bericht vom InklusionsCamp 2015 in Hamburg

Am Freitag, den 25.09. und Samstag, den 26.9.2015 fand in Hamburg das InklusionsCamp (www.inklusionscamp.de) statt.

Das Besondere an dem InklusionsCamp war, dass es sich dabei um ein Barcamp handelte.

Bei einem Barcamp stehen im Voraus keine Workshops fest, sondern nur der grobe Ablauf. Welche Inhalte und Themen besprochen und diskutiert werden, entscheiden die Teilnehmer_innen vor Ort zu Beginn eines Tages. Jede_r Teilnehmer_in konnte selber überlegen eine eigene Session anzubieten.

Mehr Informationen zur Methode Barcamp gibt es hier.

So fanden pro Tag 5 sogenannte Sessionphasen statt. Eine Session dauerte 45 Minuten. Und parallel wurden während einer Sessionphase mitunter 6 verschieden Sessions, also 6 verschiedene Themen angeboten.

Laut Veranstalter waren es am Ende des Barcamps 55 verschiedene Sessions, die stattfanden. Wie ich finde eine beeindruckende Zahl.

Und so konnte sich jede_r aus der Vielfalt an Themen die Themen heraussuchen, die sie_ihn am meisten interessierten.

Hier geht es zu den Sessionplänen von beiden Tagen.

Zum Beginn des InklusionsCamps gab es einen Einstiegsvortrag von Michael Stenger, ehemaliger Leiter der SchlaU-Schule, bei dem ich leider nicht anwesend sein konnte, da ich erst am Nachmittag angereist bin.

Ich selber habe an folgenden Sessions teilgenommen:

Tag 1

  1. Inklusion und Medien/Inklusion in den Medien
  2. Film „Hotel California“
  3. Aktionsplan Inklusion

Tag 2

  1. All inclusive – Inklusive Öffnung von Stadtteilkulturzentren
  2. Inklusion und Tablets
  3. Charta der Vielfalt/Charta der Diversität
  4. Schulinklusion für Nullcheckerbunnies
  5. Inklusive Öffentlichkeits- und Kampagnenarbeit

Im Folgenden fasse ich einige Inhalte der von mir besuchten Sessions zusammen.

Tag 1

  1. Inklusion und Medien/Inklusion in den Medien

In dieser Session haben wir zu Beginn Ideen gesammelt, was Inklusion für uns bedeutet. Danach haben wir geguckt, was alles unter den Begriff der Medien zu fassen ist – z.B. Inhalte, Bilder, Sprache, Fernsehen, Radio, Print, online. Anschließend betrachteten wir die Rolle, die Menschen mit Behinderungen in den Medien spielen. Oftmals würden sie entweder in Form einer Helden-Geschichte oder in Form einer Horror-Geschichte präsentiert. Bei beiden Varianten steht die Behinderung immer im Fokus der Betrachtung und andere Aspekte der Person werden nicht oder nur kaum berücksichtigt. Die Website www.leidmedien.de bietet gute Anregungen, wie z.B. über Menschen mit Behinderungen in den Medien gesprochen/geschrieben werden kann und sollte, und wie nicht über sie gesprochen/geschrieben werden sollte. Eine wichtige Rolle spielen die sogenannten neuen Medien (Blogs, Kanäle etc.), da Menschen dort selber Bilder über sich erzeugen können und nicht andere Bilder über sie erzeugen.

  1. Film „Hotel California“

In dieser Session haben wir den Film“ Hotel California“ (http://hotelcaliforniafilm.de/) – ein Filmprojekt von und mit Jugendlichen zum Thema Geflüchtete Menschen geguckt. Zu diesem demnächst frei zugänglichen Film, der reale Erlebnisse zugespitzt zeigt, wird es noch pädagogisches Begleitmaterial geben.

  1. Aktionsplan Inklusion

In dieser Session berichteten Kolleg_innen der Lebenshilfe Hannover von ihrer Erfahrung mit dem Aktionsplan Inklusion. Dieser Aktionsplan ist eine Selbstverpflichtung der Lebenshilfe Hannover zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und strukturiert den Prozess hin zu einer inklusiven Arbeit. Der Anlass für diesen Prozess war die Frage: Was machen Träger der Behindertenhilfe für die Umsetzung von Inklusion?

Ein Aktionsplan muss veröffentlicht werden und die Umsetzung wird regelmäßig evaluiert. Der Aktionsplan der Lebenshilfe Hannover wurde gemeinsam erstellt und sorgt dafür, dass die eigene Arbeit und die eigenen Strukturen reflektiert und verändert werden. Eine wichtige Veränderung war die Öffnung von Einrichtungen in den Stadtteil und die Nutzung von Angeboten des Kiezes.

Sonstige Gedanken

In den Diskussionen an diesem Tag tauchte immer mal wieder ein Verständnis von Inklusion auf, das Inklusion als Initiation von Sinneswandel, als Gesellschaftsveränderung und als Wertewandel verstand, beziehungsweise persönliche Hoffnungen zu diesen Veränderungen mit dem Begriff verband. Ich finde das ist ein interessanter und vor allem nachdenkens- und diskussionswürdiger Aspekt. Denn es eröffnet die Frage, nach der Definition von Inklusion, den Zielen und dem Abgleich von Theorie und Praxis/Realität und den Konsequenzen, die sich daraus ergeben.

Tag 2

  1. All inclusive – Inklusive Öffnung von Stadtteilkulturzentren

In dieser Session wurde ein neues Projekt vom Goldbekhaus e.V. in Hamburg vorgestellt (http://www.goldbekhaus.de/Marken/All_Inclusive.php) . In dem von Aktion Mensch geförderten Projekt ist Bewegung ein zentrales Moment – Bewegung durch Sport, Bewegung durch Theater, Bewegung durch Musik. Darüber hinaus geht es in dem Projekt um Medienbildung, bei der die Jugendlichen beispielsweise einen eigenen Projektblog gestalten. Ein weiteres Element des Projektes sind Multiplikator_innen-Fortbildungen, bei denen die im Projekt gemachten Erfahrungen geteilt werden sollen. Alle Angebote des Projektes, das von einem erweiterten Inklusionsbegriff (es werden alle Dimensionen von Vielfalt in den Blick genommen) ausgeht, sind kostenfrei. Das Projekt hat im Juni begonnen. Wie es nach der Förderung mit dem Projekt weiter gehen wird, ist derzeit noch offen. Im Prozess der inklusiven Öffnung ist es wichtig, dass sich auch innerhalb des Stadtteilzentrums gut vernetzt und gut kooperiert wird und das das strikte Festhalten an eigenen Bereichen und Programmen für diesen Prozess eher hinderlich ist.

  1. Inklusion und Tablets

In dieser Session wurden verschiedene Möglichkeiten und Apps gezeigt, die es ermöglichen inklusiv zu lernen und Bildung inklusiv zu gestalten. Für inklusives Arbeiten gibt es neben den Möglichkeiten von verschiedenen Einstellungen der Tablets (z.B. bei den Bedienungshilfen) natürlich viele verschiedene Apps. So wurden uns in der Sessions kurze Eindrücke zu den Apps „Wortzauberer“, „Bitsboard Pro“, „Zwanzigerfeld“ und einige Apps vom Montessorium gegeben. Eine wie ich finde sehr interessante App ist der „BookCreator“ mit dem eigene digitale Bücher erstellt werden können, die neben Texten und Fotos auch Ton und Video enthalten und am Ende als ePub gespeichert werden können. Mit dieser App hat man zum Einen die Möglichkeit eigene kleine interaktive Aufgabenbücher für Schüler_innen zu erstellen und zum Anderen können Schüler_innen eigene Bücher zu verschiedenen Themen gestalten.

Viele interessante App-Vorschläge und Empfehlungen gibt es auf dem Blog: http://uk-app-blog.blogspot.de/

  1. Charta der Vielfalt/Charta der Diversität

In der Session haben wir uns mit der Charta der Vielfalt (http://www.charta-der-vielfalt.de/startseite.html) beschäftigt. Dabei handelt es sich um kein Gesetzt, sondern um eine Selbstverpflichtung. Dabei werden folgende Dimensionen von Vielfalt berücksichtigt: Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Behinderung, ethnische Herkunft und Nationalität, Religion und Weltanschauung. In der Diskussion wurde deutlich, dass die Charta sehr stark von ökonomischen Aspekten geprägt ist und diese in den Ausführungen immer eine entscheidende Rolle spielen.

Darüber hinaus diskutierten wir die Frage, inwiefern die Charta lediglich als Aushängeschild dient, aber keine tatsächlichen Veränderungen stattfinden.

  1. Schulinklusion für Nullcheckerbunnies

In dieser Session beschäftigten wir uns u.a. mit verschiedenen Förderbedarfen, ihren Abkürzungen, dem Nachteilsausgleich und der Frage, inwieweit trotz Willen zur Umsetzung von Inklusion die Organisation des Alltags und der „Wirklichkeit“ den Ansprüchen und dem Ansatz von Inklusion entgegen stehen/beziehungsweise ihm widersprechen.

  1. Inklusive Öffentlichkeits- und Kampagnenarbeit

In dieser Session beschäftigten wir uns mit der Frage, was bei einer inklusiven Öffentlichkeits- und Kampagnenarbeit berücksichtigt werden muss. Als Empfehlung und Orientierung wurde uns der Leitfaden für inklusives Campaigning ( www.campaignboostcamp.de/leitfaden) empfohlen. Dieser ist in de Bereiche „Alle ansprechen“, „Alle erreichen“ und „Allen begegnen“ unterteilt und gibt Empfehlungen und Literaturhinweise zu Themen wie Sprache, Bilder, Inhalte, Barrierefreie Kommunikation – online und offline, und der Organisation und Durchführung inklusiver und barrierefreier Events.

Hier sind die Scans meiner Notizen:

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Fazit

Das Inklusionscamp war eine sehr gelungene , hervorragend organisierte Veranstaltung, mit einem interessanten methodischen Ansatz, einer unglaublichen Themenvielfalt, der Möglichkeit eigene Themen einzubringen, mit interessanten Teilnehmer_innen, vielen Anregungen und Ideen und einem intensiven Erfahrungsaustausch. Soweit ich es richtig verstanden habe, wird darüber nachgedacht ein weiteres Inklusionscamp zu veranstalten. Ich würde mich sehr darüber freuen!

Dokumentation

Hier geht es zur Dokumentation des InklusionsCamps.

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