Inklusive Bildung als Thema im Berliner Bildungsprogramm für Kitas und Kindertagespflege

Ein wichtiger Baustein von Inklusion, vor allem in der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch im System Schule ist die inklusive Bildung.

Was ist Inklusive Bildung und was ist darunter zu verstehen?

Auch die UNESCO hat sich schon mit dieser Frage beschäftigt. Hier geht es zu dem Text auf inklusionswege.de zu dem Thema.

Im Berliner Bildungsprogramm für Kitas und Kindertagespflege von 2014 gibt es ein Kapitel über das Thema “Inklusive Bildung”. Im Folgenden skizziere ich kurz, was das Berliner Bildungsprogramm unter inklusiver Bildung versteht.

Da jeder Mensch das Recht auf Entwicklung hat, muss Bildung so gestaltet werden, “dass alle Kinder bei unterschiedlichen Voraussetzungen gleiche Bildungschancen und ein Recht auf aktive Beteiligung an allen Entscheidungen haben, die sie betreffen” (S. 18). Inklusive Bildung vertritt den Grundsatz, “dass sich die Pädagoginnen und Pädagogen auf die Voraussetzungen der Kinder einstellen und nicht dass sich das einzelne Kind an die Bildungseinrichtung anzupassen hat” (ebd.). Um das zu gewährleisten, müssen Teams die eigenen Normen und Werte und auch Vorurteile reflektieren (vgl. ebd.). Inklusive Bildung hat nach dem Index für Inklusion folgende Prinzipien:

– “Inklusive Bildung bejaht die vorhandene Heterogenität und nutzt sie für Lern- und Bildungsprozesse.

– Die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Kinder und ihr Recht auf individuelle Förderung in sozialer Gemeinschaft stehen im Mittelpunkt.

– Barrieren, die Kinder beim Zugang zu Bildung behindern, werden ausfindig gemacht und beseitigt.” (ebd.)

Im Berliner Bildungsprogramm für Kitas und Kindertagespflege wird von einem umfassenden Verständnis von Inklusion ausgegangen, das bedeutet, das Konzept Inklusion und inklusive Bildung wird nicht ausschließlich auf Menschen mit Behinderungen fokussiert.

Um Inklusion und inklusive Bildung umzusetzen ist es wichtig, “jedes Kind genau zu beobachten, zu erkennen, wo es Hemmnisse für dessen Teilhabe gibt, und aktiv dafür Sorge zu tragen, dass diese überwunden werden (S. 18f.). Hilfreich ist es, Unterschiede zu thematisieren, Spielbeziehungen anregen, wertschätzender  und respektvoller Umgang mit den Kindern, Thematisierung von Vorurteilen (vgl. S. 19).

Anschließend wird auf vier Spannungsebenen von Gleichheit und Vielfalt hingewiesen:

Gleichheit und sozial-kulturelle Vielfalt

“Kinder gehören zu Familien mit unterschiedlicher sozialer Herkunft, mit unterschiedlichen Bildungs- bzw. sozioökonomischem Hintergrund und mit unterschiedlichen Lebensformen” (S. 19). Die Pädagog_innen müssen die “Lebenslagen von Kinder und ihrer Familien erkennen und die eigenen Einschätzungen bezüglich der Erwartungen an die Kinder immer wieder hinterfragen” (S. 20.). Denn die Kinder “brauchen in der Regel besondere Ermutigung und Bestärkung, damit eventuell eingeschränkte Erwartungen an ihre Lern- und Leistungsfähigkeiten nicht in ihr Selbstbild eingehen” (ebd.)

Gleichheit und geschlechtlich-kulturelle Vielfalt

“Die Geschlechtszugehörigkeit eines Kindes wird sowohl biologisch, psychologisch als auch sozial-kulturell unterschieden und hat einen Einfluss auf das Selbstbild von Kindern. […] Geschlechtsstereotype Botschaften behindern Bildungsprozesse insofern, als sie Jungen und Mädchen auf bestimmte Verhaltensweisen, Vorlieben und Eigenschaften festlegen und darauf reduzieren.” (Ebd.) Es geht also darum, “ihnen vielfältige Möglichkeiten des Mädchen- und Junge-Seins zu verdeutlichen” und “Raumgestaltung, die Auswahl des Spiel- und Arbeitsmaterials, Kinderliteratur/Bilderbücher und Medien bieten ein geeignetes Feld, diese auf einseitige und ausgrenzende Festschreibungen hin zu überprüfen” (ebd.).

Gleichheit und ethnisch-kulturelle Vielfalt

“Kinder wachsen in unterschiedlichen Familienkulturen auf, die sich nach Sprache/n, Religion, ethnischem Hintergrund, Migrationsgeschichte und weiteren Merkmalen unterscheiden. […] Die Wertschätzung ihrer Familie hilft ihnen, sich selbst als geschätzt und anerkannt zu erleben. Dabei ist das Eingehen auf ihre je spezifische Familienkultur entscheidend.” (S. 21)

Das Aufgreifen einzelner Elemente der Familienkulturen in der Einrichtung unterstützt die Kinder in ihrer Entwicklung (vgl. ebd.).

Gleichheit und individuelle Vielfalt

“Kein Kind entwickelt sich wie das andere. Kindliche Entwicklung unterscheidet sich in Tempo und Verlauf, im Zusammenspiel kognitiver, körperlicher und seelischer Kräfte. Entwicklungsbesonderheiten bieten grundsätzliche reiche Erfahrungsmöglichkeiten für alle Kinder.” (ebd.) Es geht darum, den Kontakt untereinander anzuregen und die eigenen Handlungen dahingehende zu reflektieren, ob sie dazu geeignet sind “alle Kinder gleichermaßen in das Gruppengeschehen einzubeziehen” (ebd.). Es geht dabei sowohl um den Schutz vor Ausgrenzung, als auch um die Stärkung der Kinder in Richtung akzeptiertes Gruppenmitglied (vgl. ebd.).

Im Berliner Bildungsprogramm für Kitas und Kindertagespflege wird explizit auf den Ansatz der “Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung” als Konzept zur Umsetzung von Inklusion hingewiesen. Einen guten Einstieg in das Thema bietet das Buch “Handbuch Inklusion” von Petra Wagner.

Petra Wagner (Hrsg.): Handbuch Inklusion. Grundlagen vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung, Verlag Herder

Auf den Seiten 89-99 gibt es konkrete Anregungen für die Praxis zu dem Bildungsbereich Soziales und kulturelles Leben. Dort werden verschiedene Aspekte, die im Kapitel zur Inklusiven Bildung angesprochen werden nochmal mit Fragen, Ansätzen, Beispielen konkreter ausgeführt.

Über die Bedeutung von Familie und den Anti-Bias-Ansatz für die Umsetzung von Inklusion hat Lisa Reimann auf inklusionsfakten.de einen Artikel geschrieben. Hier geht es zu dem Text, der viele der oben genannten Aspekte aufgreift und verdeutlicht.

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