Leichte Sprache–ein Weg für weniger Ausschluss

Über Sprache und verschiedene sprachliche Codes grenzen sich Gruppen voneinander ab und Fachbereiche machen über Sprache ihre Fachlichkeit, Qualifikation und Zugehörigkeit sichtbar. Sprache stiftet also Identität.

Sprache ist auch ein Kommunikationsmittel, welches z.B. Informationen transportiert. In einigen Fällen sollen nicht alle Informationen von allen verstanden werden, deshalb verschlüsselt man die Sprache in irgend einer Form. In vielen Fälle aber möchte man mit Sprache viele oder alle Menschen erreichen – bspw. bei Flyern, die auf Angebote oder Veranstaltungen hinweisen, bei Elternbriefen, bei Plakaten, bei Hausregeln, bei Informationsveranstaltungen, bei Angeboten mit unterschiedlichen Zielgruppen etc. Und in vielen Fällen grenzen wir an dieser Stelle unbewusst Menschen aus. Weil sie die verwendete Sprache nicht verstehen, weil sie unverständlich (z.B. zu kompliziert ist oder zu viele Fachbegriffe enthält) oder aber auch, weil sie Texte aus unterschiedlichen Gründen nicht lesen und verstehen können.

Mit Hilfe von Leichter Sprache soll der Ausschluss reduziert werden und mehr Menschen ermöglicht werden daran teilzuhaben und Inhalte zu verstehen.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat zusammen mit dem “Netzwerk Leichte Sprache” im April 2014 eine Broschüre mit dem Titel “Leichte Sprache. Ein Ratgeber” veröffentlicht, in der die Regeln für Leichte Sprache erläutert werden.

Die Broschüre wirkt auf den ersten Blick sehr umfangreich, da sie 128 Seiten umfasst, allerdings wurde sehr großzügig mit dem Platz umgegangen, so dass es nicht 128 Seiten gebündelte Informationen und Text sind.

Hier einige Regeln der Leichten Sprache aus der Broschüre:

Wörter

– Benutzen Sie einfache Wörter.

– Benutzen Sie Wörter, die etwas genau beschreiben.

– Benutzen Sie bekannte Wörter. Verzichten Sie auf Fach-Wörter und Fremd-Wörter.

– Benutzen Sie immer die gleichen Wörter für die gleichen Dinge.

– Benutzen Sie kurze Wörter.

– Verzichten Sie auf Abkürzungen.

– Benutzen Sie Verben.

– Benutzen Sie aktive Wörter.

– Vermeiden Sie den Genitiv.

– Vermeiden Sie den Konjunktiv.

– Benutzen Sie positive Sprache.

– Vermeiden Sie Rede-Wendungen und bildliche Sprache.

Zahlen und Zeichen

– Schreiben Sie Zahlen so, wie die meisten Menschen sie kennen.

– Vermeiden Sie alte Jahres-Zahlen.

– Vermeiden Sie hohe Zahlen und Prozent-Zahlen.

Sätze

– Schreiben Sie kurze Sätze. Machen Sie in jedem Satz nur eine Aussage.

– Benutzen Sie einen einfachen Satz-Bau.

Texte

Sprechen Sie die Leser und Leserinnen persönlich an.

– Benutzen Sie die Anrede Sie.

– Vermeiden Sie Fragen im Text.

– Schreiben Sie alles zusammen, was zusammen gehört

Gestaltung und Bilder

Benutzen Sie eine einfache Schrift

– Benutzen Sie eine große Schrift.

– Lassen Sie genug Abstand zwischen den Zeilen.

– Schreiben Sie immer links-bündig.

– Schreiben Sie jeden neuen Satz in eine neue Zeile.

– Trennen Sie keine Wörter am Ende einer Zeile.

– Schreiben Sie alle Wörter in eine Zeile, die vom Sinn her zusammen gehören.

– Lassen Sie den Satz zusammen.

– Machen Sie viele Absätze und Überschriften.

– Schreiben Sie eine Adresse so wie auf einem Brief.

– Heben Sie wichtige Dinge hervor.

– Benutzen Sie dunkle Schrift. Und helles Papier.

– Benutzen Sie dickes Papier.

– Benutzen Sie mattes Papier.

– Benutzen Sie Bilder.

– Benutzen Sie scharfe und klare Bilder.

– Benutzen Sie Bilder nicht als Hintergrund.

Darüber hinaus gibt es noch Hinweise zur Schreibweise von Zahlen, Uhrzeiten, Datumsangaben, Telefonnummern, Sonderzeichen, es gibt Hinweise zum Formulieren und zum Aufbau von Texten und viele Bildbeispiele.

Jede Regel ist mit Beispielen versehen, so dass aus meiner Sicht verständlich wird, worauf zu achten ist.

Im 2. Teil der Broschüre gibt es Regeln für Treffen und Tagungen und was z.B. für die Vorbereitung, bei der Durchführung und bei der Nachbereitung zu beachten ist. Ebenso gibt es noch einige Hinweise zum Sprechen in Leichter Sprache.

Abschließend werden Regeln für Leichtes Internet benannt.

Fazit

Die Broschüre bietet einen guten Überblick über Leichte Sprache und ermöglicht einen schnelle Einstieg und das sofortige Ausprobieren. Es ist ein weites Feld und viele Dinge sind zu beachten. Das ist auf den ersten Blick etwas abschreckend. Allerding kann man sich dem Thema langsam nähern und einzelne Regeln Stück für Stück in Texte/Publikationen/Aushänge einfließen lassen.

Auf einer Fortbildung, die ich im vergangenen Jahr zu dem Thema “Leichte Sprache” besucht habe, mussten wir einen vorgegebenen Text in Leichte Sprache übersetzen. Das war für mich wirklich schwierig und eine ganze Menge Arbeit. Aber für das Ziel, so viele Menschen wie möglich mit unserem Anliegen zu erreichen, lohnt sich die Mühe.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Leichter Sprache gemacht? Welche Tipps können Sie geben?

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