1 Jahr inklusionswege.de – Zeit für einen Rück- und einen Ausblick

1-Jahr-Inklusionswege.jpgDas Thema Inklusion ist für mich eine Herzensangelegenheit. Dabei umfasst der Begriff für mich alle Dimensionen von Vielfalt und beschränkt sich nicht nur auf Menschen mit Behinderungen. Mein Blick auf das Thema ist sehr stark durch eine Antidiskriminierungsperspektive geprägt. Diskriminierung zu erkennen und gegen diese aktiv zu werden ist deshalb eine meiner persönlichen Dauerbaustellen. Denn auch ich bin in diverse diskriminierende Strukturen verwoben, bin Teil von ihnen und trage sie mit. Ich habe bestimmte Denkweisen gelernt und nun geht es mir darum, diskriminierendes Verhalten meinerseits zu erkennen, gegen dieses vorzugehen, mir meiner Vorurteile bewusst zu werden und mich diese aktiv zu stellen. In den letzten Jahren habe ich mich im Zuge dieser persönlichen Auseinandersetzungen immer wieder mit dem Anti-Bias-Ansatz beschäftigt. Das war sehr hilfreich, wenn auch nicht immer leicht. Und ich bin mir sicher, dass mich der Ansatz auch in Zukunft weiter begleiten wird.

Sehr interessiert verfolge ich die Diskussionen und Auseinandersetzungen rund um das Thema Inklusion. Ich höre mir Argumente dafür und dagegen an, Kritik und Einwände am Konzept und Begriff und versuche mir eine eigene Ansicht dazu zu erarbeiten. Und immer wieder schaue ich kritisch darauf, was unter dem Label Inklusion passiert und gefasst wird, was Inklusion ist, sein soll oder dafür gehalten wird, was Gründe für den derzeitigen Hype des Themas Inklusion sind und wer sich mit welcher Motivation für das Thema engagiert und einsetzt. Und auch wenn ich dem Anliegen von Inklusion, jedenfalls wie ich es verstehe, sehr positiv gegenüber stehe, habe ich immer wieder Zweifel und bin skeptisch gegenüber dem aktuellen Diskurs und den aktuellen Entwicklungen.

Das Thema Inklusion betrifft die gesamte Gesellschaft und lässt sich nicht nur auf einen gesellschaftlichen Bereich reduzieren. Ich selber bin Sozialpädagoge und seit vielen Jahren in der schulbezogenen Arbeit an einer Grundschule tätig. Ebenso habe ich viele Jahre in der Offenen Arbeit gearbeitet. Mein aktuelles Tätigkeits- und Interessenfeld ist also die Kinder- und Jugendhilfe. Und dadurch interessiert mich natürlich besonders die Verwirklichung oder Umsetzung von Inklusion in diesem gesellschaftlichen Bereich. Wie kann eine inklusive oder inklusivere Kinder- und Jugendhilfe aussehen? Was bedeutet Inklusion in der Kinder- und Jugendhilfe? Was kann die Kinder- und Jugendhilfe zur Diskussion rund um das Thema Inklusion beitragen? Welche Entwicklungen kann sie vorantreiben? Welche Erfahrungen wurde in der Kinder- und Jugendhilfe gemacht, auf die sich in anderen gesellschaftlichen Bereichen aufbauen lässt?

Ich setze mich im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit viel mit Fragen rund um das Thema Inklusion auseinander, ich interessiere mich privat für diesen Themenkomplex und für verschiedene Diskriminierungsformen, ich biete Fortbildungen für Fachkräfte der Früh- und Sozialpädagogik zum Thema Inklusion an und ich schreibe den Blog inklusionswege.de.

Vor gut einem Jahr veröffentlichte ich meinen ersten Beitrag auf inklusionswege.de. Seitdem folgten viele verschiedene Beiträge zu unterschiedlichen Themen – theoretische Überlegungen, Buchempfehlungen- und Buchzusammenfassungen, Veranstaltungsankündigungen und Veranstaltungsberichte, Linkempfehlungen, Diskussionsanregungen, Interviews, Audiobeiträge, Empfehlungen von Arbeitsmaterialien und Arbeitshilfen.

Mal folgten einzelne Beiträge in kürzeren Zeitabständen, mal lagen längeren Zeitspannen dazwischen. Mein Anliegen war und ist es, interessante Beiträge für die Auseinandersetzung mit Inklusion in der Kinder- und Jugendhilfe zu verfassen und so ein Stück weit zur Diskussion beizutragen und ich hatte und habe viel Freude daran, unterschiedliche Formate und Textformen auszuprobieren und für mich auch weiter zu entdecken und weiter zu entwickeln.

Natürlich bin ich darum bemüht, den Blog noch bekannter zu machen und den Kreis der Leser_innen ständig zu erweitern. Leider ist es mir bisher noch nicht gelungen Diskussionsbeiträge und Kommentare von Leser_innen zu bekommen, so dass auf dem Blog eine lebendige Diskussion über verschiedene Aspekte stattfindet. Ich bin mir nicht ganz sicher woran das liegt. Aber es liegt mir sehr viel an einem Blog, der nicht nur eindimensional in eine Richtung funktioniert (ich als Sender), sondern sich viele Leute mit Inhalten, Anregungen, Ideen, Hinweise und Kritik einbringen.

Auch für dieses Jahr bin ich schon zu einzelnen Elementen für den Blog in der Planung – z.B. weitere Interviews. Und sicherlich werde ich auch in diesem Jahr weiter an Formaten und Formen herum probieren, testen, verwerfen, experimentieren etc.

Ein weiteres wichtiges Thema, was mich sicherlich in diesem Jahr und darüber hinaus beschäftigen wird ist die Frage danach, wie Soziales Lernen inklusiv gestaltet werden kann. Soziales Lernen ist ein wesentlicher Baustein z.B. in der schulbezogenen Arbeit (natürlich auch in vielen anderen Bereichen) Soziales Lernen findet in unterschiedlichen Kotexten statt, mit unterschiedlichen Methoden und Ansätzen. Projekttage zum Sozialen Lernen mit ganzen Klassen spielen bei mir beruflich eine große Rolle. Und natürlich gibt es viele unterschiedliche Materialien und Anregungen, Methoden und Ansätze zu verschiedenen Themen des Sozialen Lernens. Aber immer wieder stoße ich da an Grenzen – weil bestimmte Methoden voraussetzen, dass die Kinder lesen und schreiben können, weil sie voraussetzten, dass die Kinder deutsch verstehen und sprechen können, weil sie bestimmte körperliche Fähigkeiten voraussetzen, etc. Daher bin ich sehr daran interessiert in den Austausch zu kommen, welche Möglichkeiten und Ansätze es für Inklusives Soziales Lernen gibt und ggf. Methoden und Ansätze dafür zu entwickeln. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, in welchem Format ich mich dazu austauschen möchte, ob es über den Blog ist oder über eine andere Plattform. Für Anregungen diesbezüglich und für Mitstreiter_innen und Mitdenker_innen zu diesem Thema bin ich sehr dankbar.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dem Blog einige Anregungen, Ideen auf ihrem Inklusionsweg geben und vor allem Freude bereiten konnte. Ich hoffe auch, dass Sie den Blog weiterhin verfolgen und ich würde mich freuen, wenn Sie den Blog weiterleiten, in Ihrem Umfeld bekannt machen und empfehlen würden.

Lassen Sie uns die Inklusionswege gemeinsam gehen!

Buchtipp: Vorurteilsbewusste Veränderungen mit dem Anti-Bias-Ansatz

Aus meiner Sicht bietet der Anti-Bias-Ansatz gute Grundlagen für die Umsetzung von Inklusion.

Im November 2015 erschien das Buch „Vorurteilsbewusste Veränderungen mit dem Anti-Bias-Ansatz“, herausgegeben vom anti-bias-netz.

IMG_3502

In dem Buch sind 9 Texte versammelt, die sich mit unterschiedlichen Facetten der Anti-Bias-Arbeit auseinander setzen. Nach dem Vorwort und der Einleitung geht es um:

1. Denkanstöße für die Soziale Arbeit

2. Anti-Bias – Ein Ansatz Menschenrechtsbildung in Grundschule umzusetzen

3. Ani-Bias kann vorurteilsbewusste Veränderungsprozesse in Schule unterstützen – Erfahrungen aus der Praxis

4. Mit Eltern gemeinsame Sache machen – Vorurteilsbewusste Zusammenarbeit von Schule und Eltern

5. „Warum hängt die Weltkarte falsch herum?“ – „Weil ich was seh‘, was du nicht siehst!“ Anti-Bias ermöglicht neue Perspektiven

6. (Un)Möglichkeiten des Anti-Bias-Ansatzes im Kontext von (internationalen) Freiwilligendiensten

7. Zwischen Colorline und Handlungsmöglichkeiten – für Kinder, Eltern und Pädagog_innen

8. Empowerment und Anti-Bias – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

9. Wie ein Kieselstein im Wasser: Von Empowerment und Sensibilisierung zur gesellschaftlichen Transformation.

Anschließend folgen ein Glossar, ein Literaturverzeichnis, eine Liste mit empfohlenen Methodenhandbüchern, eine Webliografie und Informationen zu den Autorinnen.

In der Einleitung wird der Begriff „Anti-Bias“ und seine Geschichte erläutert. Ebenso werden die 4 Grundannahmen des Ansatzes dargestellt. Anschließend wird ein Diskriminierungsmodell vorgestellt, auf welches sich bezogen wird.

Durch diese kurze Einführung in den Anti-Bias-Ansatz ist es auch kein Problem die folgenden Texte zu verstehen, zumal sie weitere Grundlageninformationen vermitteln und diese an vielen Stellen mit Praxisbeispielen verknüpfen. Das gesamte Buch lebt von den Erfahrungen aus der Praxis. Sei es aus der Arbeit in Schulen, mit Kindern, mit Eltern, sei es aus dem Fortbildungsbereich mit pädagogischen Fachkräften. Die Vielfalt an Umsetzungsmöglichkeiten und Anknüpfungspunkten des Ansatzes im pädagogischen Alltag und auch darüber hinaus werden sehr deutlich. Darüber hinaus werden einige Methoden des Anti-Bias-Ansatzes erläutert und reflektiert.

Fazit:

Ich finde das Buch durch seinen starken Praxisbezug sehr empfehlenswert. Ich habe viele Anregungen und Ideen erhalten, es gibt viele Tipps für weiterführende Literatur und Links zu weiteren Materialien.

Buchinfos:

anti-bias-netz (Hg.)

Vorurteilsbewusste Veränderungen mit dem Anti-Bias-Ansatz

Lambertus Verlag

Freiburg im Breisgau

ISBN: 978-3-7841-2608-1

Weitere Empfehlungen

Wer sich darüber hinaus mit dem Anti-Bias-Ansatz auseinandersetzen möchte, kann ich die beiden folgenden Bücher empfehlen, die stärker aus einer Forschungs- und Wissenschaftsperspektive auf das Thema blicken.

1. Oliver Trisch (2013): Der Anti-Bias-Ansatz. Beiträge zur theoretischen Fundierung und Professionalisierung der Praxis. ibidem. Stuttgart

IMG_3504

2. Katja Gramelt (2010): Der Anti-Bias-Ansatz. Zu Konzept und Praxis einer Pädagogik für den Umgang mit (kultureller) Vielfalt. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden

IMG_3503

Vor einiger Zeit habe ich mich in einem Audiobeitrag damit beschäftigt, inwiefern der Anti-Bias-Ansatz eine gute Grundlage für eine inklusive Haltung bietet. Hier geht es zu dem Beitrag.

Im vergangenen Jahr habe ich an einer Multiplikator_innen-Fortbildung zum Anti-Bias-Ansatz in Weimar teilgenommen. Die Fortbildung besteht aus drei Modulen und es wird sich u.a. in Übungen und Diskussionen sehr intensiv und facettenreich mit dem Anti-Bias-Ansatz auseinandergesetzt. Auch diese Fortbildung kann ich persönlich sehr empfehlen. Parallel zum letzten Modul habe ich auch das oben genannte Buch gelesen, was die gesamte Erfahrung nochmal bereichert hat. Die Fortbildung haben Annette Kübler, Žaklina Mamutovič und Paticia Göthe geleitet, die auch als Autorinnen in dem Buch vertreten sind.                                                           Hier geht es zur Ausschreibung für den Kurs im Herbst 2016.

Inklusion – Anhalten, Innehalten, Nachdenken

Mein Verhältnis zum aktuellen Stand des Themas Inklusion in der Gesellschaft ist ein ambivalentes.

Zum einen freue ich mich darüber, dass das Thema Inklusion in vielen Bereichen Einzug erhalten hat und in der Mainstream-Diskussion angekommen ist. Inklusion ist in vielen gesellschaftlichen Bereichen kein Fremdwort mehr. Das ist gut. Das treibt den Prozess voran und gibt dem Thema Inklusion den Stellenwert, den es verdient.

Zum anderen ist es auch genau diese Entwicklung, die mich verunsichert und die ich befremdlich finde. Wenn Themen Mainstream werden, bin ich immer etwas skeptisch. Ob berechtigt oder unberechtigt, ist eine andere Diskussion. Denn dann sind diese Themen an die Mehrheitspositionen anschlussfähig, in vielen Punkten deckungsgleich z.B. in Bezug auf Inhalte, Ziele, etc. Das ist an sich ja nichts Schlimmes und das sollte selbstverständlich auch das Ziel sein, für Themen Mehrheiten zu gewinnen. Und je nach Thema sind die Wege dafür verschieden.

Aber gerade das Thema Inklusion beinhaltet, jedenfalls nach meinem Verständnis, soviel gesellschaftliche Sprengkraft, so viele zu diskutierende Fragen, so viel Gesellschaftskritik, dass es unter den derzeitigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eigentlich eine lange und harte, Auseinandersetzung sein müsste, bevor das Thema mainstream-tauglich ist.

Aus diesem Grund frage ich mich, was in der Mainstream-Diskussion als Inklusion verhandelt wird? Was ist das Verständnis von Inklusion? Wer sind die Wort- und Meinungsführer? Wer setzt sich für Inklusion ein? Mit welcher Motivation? Was ist das Ziel von Inklusion? Stehen menschenrechtliche oder okönomische Belange im Vordergrund? Warum ist das Thema gerade so in Mode und anschlussfähig an den Mainstream?

Immer wieder taucht diese Skepsis bei mir auf. Aus diesem Grund ist es für mich sehr wichtig, anzuhalten, innezuhalten und nachzudenken. Das sich ständig drehende Rad zu stoppen und genau hinzuschauen. Was passiert da gerade? Was ist mein Beitrag dazu? Bin ich damit einverstanden oder müsste ich in irgendeiner Form intervenieren?

Für mich ist das Thema Inklusion zum einen sehr stark mit der Frage nach Gesellschaft verbunden. Wie soll die Gesellschaft strukturiert sein, wie soll sie funktionieren, welche Werte und Normen sollen gelten? In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Wie gewährleisten wir die Einhaltung der Menschenrechte? Wie können gesellschaftliche diskriminierende Strukturen aufgebrochen und verändert werden? Funktioniert Inklusion in einer Gesellschaft, die auf Konkurrenz und Leistung basiert? Und was bedeutet gleichberechtigte Teilhabe in diesem Kontext?

Zum anderen ist das Thema auch stark mit einer Selbstreflexion und der Frage nach der eigenen Rolle verbunden. Welche Werte und Normen vertrete ich? Wie reagiere ich bei Diskriminierungen? Wo grenze ich Menschen bewusst oder unbewusst aus? Warum engagiere ich mich für Inklusion?

Und natürlich geht es auch um Fragen der Umsetzung? Welche Umsetzungsschritte werden dem Anspruch gerecht? Welche Schritte verfälschen den Ansatz? Mit welchem Ziel wird welcher Schritt getan? Auf welchen Ebenen wird agiert und interveniert?

Leider habe ich das Gefühl, dass diese Fragen nicht (hinreichend) diskutiert wurden und werden und dadurch, meiner Ansicht nach, in der Mainstream-Diskussion Inklusion Gefahr läuft inhaltlich entleert und zweckentfremdet zu werden.

Also bleibt mir nichts anderes übrig als wieder anzuhalten, innezuhalten und nachzudenken.

„Auf dem Weg zur Inklusion. Ein Arbeitsbuch“ des AWO Bundesverbandes e.V.

Arbeitsbuch AWO

Der AWO Bundesverband e.V. hat 2014 ein Arbeitsbuch veröffentlicht, das auf dem Weg zur Inklusion Anregungen, Ideen und Unterstützung geben möchte. Entstanden ist das Arbeitsbuch aus dem AWO Weiterbildungsprojekt „InDuBi – Inklusion durch Bildung“.

Das Arbeitsbuch ist in die Bereiche Wissen, Inklusion.Check, Handlungsfelder, Methoden, und Wissen unterteilt.

Im Folgenden stelle ich das Arbeitsbuch „Auf dem Weg zur Inklusion“ kurz vor.

Wissen

  1. Warum ein Arbeitsbuch Inklusion für die AWO?

Ausgehend von der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen muss ebenso „der Bereich der sozialen Arbeit […] mit dem Ziel weiterentwickelt werden, für alle Menschen Zugang sowie Mitbestimmung und Teilhabe zu gewährleisten“ (S. 7) Auch die AWO möchte sich diesen Herausforderungen stellen und mit „diesem Arbeitsbuch Inklusion soll ein Beitrag dazu geleistet werden, Unklarheiten zu klären. Der Begriff Inklusion soll mit Inhalten gefüllt werden, die in konkreten Handlungsfeldern Stück für Stück umgesetzt werden können und müssen.“ (ebd.) Dabei bietet das Arbeitsbuch auf verschiedenen Ebenen Unterstützung und Anregungen an.

  1. Wie kann dieses Arbeitsbuch genutzt werden?

In dem Arbeitsbuch befinden sich Diskussionsanregungen, Impulse für Auseinandersetzungen, konkrete Materialien zur Analyse und Entwicklung, Methodenvorschläge für einzelne Stufen. Wichtig ist, „dass das Arbeitsbuch als mitlernende Arbeitshilfe verstanden und genutzt wird“ (S. 10), also die darin enthaltenden Angebote an die eigene Arbeit angepasst werden können und sollen.

  1. Inklusion – Wohin wollen wir? Eine kleine Geschichte einer großen Vision

In diesem Kapitel wird eine Vision von Inklusion in 40 Jahren als Geschichte präsentiert. Diese kann als Einstieg in die Auseinandersetzung genutzt werden.

  1. Inklusion – was ist das eigentlich?

In diesem Abschnitt wird erläutert, was unter Inklusion verstanden wird und welche Konsequenzen es für die Gesellschaft hat. „Jede*r ist auf ihre*seine Art und Weise einzigartig und Teil der Vielfalt. In der Konsequenz heißt dies, dass alle Menschen dabei sein, mitwirken und mitentscheiden können. Daraufhin müssen bauliche, kommunikative, ökonomische, strukturelle sowie fachliche Rahmenbedingungen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens geprüft und entsprechend weiterentwickelt werden.“ (S. 14) Dabei wird Inklusion als Prozess verstanden, der an viele in der Praxis schon bekannte Ansätze, wie z.B. „Gemeinwesenarbeit, […] Gender-Mainstreaming, […] interkulturelle Öffnung, Lebenslagenkonzepte und […] Empowerment“ (S. 15) anknüpfen kann. „Der inklusive Prozess in Einrichtungen und Diensten muss immer drei Dimensionen in Betracht ziehen, die untrennbar miteinander verzahnt sind: Kultur, Struktur und Handlungspraxis“ (S. 16).

Inklusion.Check

  1. Check – Wo sind wir jetzt?

Der Inklusions.Check ist ein aus 45 Fragen bestehender Fragenkatalog der bei der Analyse des gegenwärtigen Zustandes und des sich daraus ergebenden Handlungsbedarfes unterstützen möchte. Im Check werden alle drei Ebenen (Kultur, Struktur, Handlungspraxis) betrachtet und mehrere Fragen des Checks sind zu Handlungsfeldern gebündelt, die im Folgenden weiter untersetzt sind.

Handlungsfelder

  1. Handlungsfelder des inklusiven Prozesses – Und was heißt das im Einzelnen?

In diesem Bereich der Arbeitshilfe gibt es zu verschiedenen Handlungsfeldern eine Erläuterung, vertiefende Fragestellungen, Praxisbeispiele, Methoden und Hinweise zum Vertiefen mit denen gearbeitet werden kann. Das Kapitel ist in folgende Handlungsfelder unterteilt:

Reflexion/Haltung, Ressourcen- und Bedarfsorientierung, Partizipation, Empowerment, Zugänglichkeit, Abbau von Diskriminierung und Ausgrenzung, Zusammenarbeit, Vernetzung, Rahmenbedingungen

Methoden

  1. Methoden – Und wie?

In diesem Kapitel werden hilfreiche Methoden für den Inklusionsprozess vorgestellt. Dafür gibt es eine Methodenübersicht, die alle in dem Arbeitsbuch enthaltenen Methoden auflistet und daran anschließend werden noch einige Methoden vorgestellt, die die Bearbeitung des Inklusion.Check erleichtern und strukturieren sollen.

Wissen

Nach einem Glossar mit Worterklärungen, die einige in dem Arbeitsbuch verwendete Begriffe erläutern folgen viele weitere Materialien zum Weiterarbeiten (z.B. die Dortmunder Erklärung der AWO, ein Inklusionsfahrplan, Arbeitsmaterialien in Leichter und in Einfacher Sprache, Materialien zu den aufgeführten Methoden, Literatur und Arbeitsmaterialien).

Am Ende des Arbeitsbuches werden die verwendeten Quellen aufgeführt und es schließt mit den Danksagungen.

Mein Fazit

Das Arbeitsbuch „Auf dem Weg zur Inklusion“ des AWO Bundesverband e.V. ist eine gelungene Arbeitshilfe für den Inklusionsprozess. Neben einigen theoretischen Erläuterungen werden viele konkrete Hilfsmittel vorgestellt, die den Prozess strukturieren und unterstützen können. Dadurch wird das komplexe Thema Inklusion handhabbarer und greifbarer gemacht. Sehr schön und ansprechend finde ich persönlich, dass das Arbeitsbuch ein Ringhefter ist, aus dem Seiten schnell ausgeheftet und neue Seiten eingeheftet werden können, was dem eigenen Anspruch „eine mitlernende Arbeitshilfe“ (s.o.) zu sein, gerecht wird. Insofern kann ich dieses Arbeitsbuch sehr empfehlen.

Weitere Informationen zur Bestellmöglichkeit des Arbeitsbuches gibt es hier.

Hier finden Sie Informationen zu dem Projekt „InDuBi“.

Haben Sie schon Erfahrungen in der Arbeit mit dem Arbeitsbuch „Auf dem Weg zur Inklusion“ des AWO Bundesverband e.V. gesammelt? Wie bewerten Sie es?

Wie kann eine inklusive Haltung aussehen?

Der Versuch einer Annäherung mit Hilfe des Anti-Bias-Ansatzes.

Hier geht es zur Text-Version zum (Nach-)Lesen.

Ich freue mich über Feedback, Anregungen, Gedanken, Ideen, Kritik, …

Quellennachweis/verwendete Literatur:

Aktion Mensch: https://www.aktion-mensch.de/themen-informieren-und-diskutieren/was-ist-inklusion?et_cid=28&et_lid=86206 – zuletzt aufgerufen am 21.10.2015.

Gramelt, Katja (2010): Der Anti-Bias-Ansatz. Zu Konzept und Praxis einer Pädagogik für den Umgang mit (kultureller) Vielfalt. Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden.

Hahn, Jetti; Kübler, Annette; Konzi, Nele (2012): Mit dem Anti-Bias-Ansatz die „Rolle vorwärts“ wagen! Oder: Warum es so wichtig ist, bei sich selbst anzufangen.

http://www.situationsansatz.de/files/texte%20ista/fachstelle%20kinderwelten/kiwe%20pdf/LS_60_12_42-45_Anti_Bias.pdf – zuletzt aufgerufen am 23.10.2015.

Herdel, Shantala: Was ist Anti-Bias? http://www.anti-bias-werkstatt.de/sites/default/files/public/Downloads/3%2BWas%2Bist%2BAB.pdf – zuletzt aufgerufen am 22.10.2015.

Hinz, Andreas (2012): Inklusion – historische Entwicklungslinien und internationale Kontexte. In: Hinz, Andreas; Körner, Ingrid; Niehoff, Ulrich (Hrsg.): Von der Integration zur Inklusion. Grundlagen – Perspektiven – Praxis. Lebenshilfe Verlag. Marburg. S.33-52.

Inklusionswege.de: http://inklusionswege.de/einige-gedanken-rund-um-das-thema-inklusion/ – zuletzt aufgerufen am 21.10.2015.

Leidmedien: http://leidmedien.de/sprache-kultur-und-politik/inklusion-was-heisst-das/ – zuletzt aufgerufen am 21.10.2015.

Schwärzer, Constanze: Anti-Bias: Mit Vorurteilen und Macht bewusst umgehen – aktiv gegen Diskriminierung vorgehen. Ein Beitrag aus der Bildungsarbeit. http://www.constanzeschwaerzer.de/wordpress/wp-content/uploads/Schw%C3%A4rzer_Anti-Bias.pdf –zuletzt aufgerufen am 22.10.2015.

Sulzer, Annika (2013): Inklusion als Werterahmen für Bildungsgerechtigkeit. In: Wagner, Petra (Hrsg.): Handbuch Inklusion. Grundlagen vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung. Herder.Freiburg im Breisgau. S. 12-21.

Trisch, Oliver (2013): Der Anti-Bias-Ansatz. Beiträge zur theoretischen Fundierung und Professionalisierung der Praxis. ibidem-Verlag. Stuttgart.

Wagner, Petra (2013): Vielfalt respektieren, Ausgrenzung widerstehen – aber wie kann man das lernen? Konzepte und Praxis der Aus- und Fortbildung. In: Wagner, Petra (Hrsg.): Handbuch Inklusion. Grundlagen vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung. Herder. Freiburg im Breisgau. S. 242-259.